Hoffnungsvolle Trauervision…

dahl-fe33Peter Dahl: Szene aus Epistel 33

Das Bild zeigt eine Szene aus Fredmans Epistel 33, in der es heißt: „Mowitz wirft Hut und Perücke in die Wellen und trinkt aufs Wohl der ganzen Welt.“ ‘Fredmans Episteln’ hat Carl Michael Bellman (1740-95) sein berühmtestes Werk genannt: Den vormaligen Hofuhrmacher und Alderman der Zunft, Jean Fredman, nunmehr ein „Uhrmacher ohne Werkstatt und Laden“, erhebt er zum Apostel von Venus und Bacchus. Fredmans „Gemeinden“ waren nicht die Galather und Korinther, sondern die Galimather* und Prositorinther. Die Parodie ist aus der Dichtung von Bellman, dem „Vorgänger des Kabaretts“ (Hans Ritte), nicht wegzu­denken. So parodiert er auch die feierlichen Rituale der Ritterorden seiner Zeit, und er führt die Szenen auch selbst auf, als Schauspieler, Sänger, Musiker und Imitator von Stimmen und Geräuschen. Über eine solche Aufführung schreibt sein Dichterkollege Johan Gabriel Oxenstierna in sein Tagebuch:

„Bergklint und Kexel überredeten mich, zu Kommissar Lissander mitzukommen, um dort Bellmans Aufzüge zu sehen. Ich folgte ihnen und habe nie in meinem Leben so gelacht wie diesen Abend. Bellman hat zu Bacchi Ehren einen Orden gegründet, in den nur aufgenommen werden kann, wer mindestens zweimal vor aller Augen im Rinnstein gelegen hat. Er hält Ordenskapitel ab, und manchmal hält er Parentation über einen toten Ritter; alles in Versen nach Musik von Opernstücken.“

Um ein solches Stück handelt es sich auch hier: Ein feierlich-komisches Ritual zu Ehren eines toten Bacchushelden, dem – sozusagen als „Zypressen“ – 3 Lieder ans Grab gelegt werden. Aus dem zu Bellmans Fredmandichtung gehörenden Gesang Nr. 5.

Hoffnungsvolle Trauervision, bei Johann Glocks, Bacchi Ordens-Capitels Herolds, Abgang von der Erdkugel, kundgetan von Herrn von Ehrensau, im Vergoldeten Drachen am Abend des 11. Juli 1770.

Schau schwarzer Welle weißen Kamm,
sieh, Charon auf ihm reitet,
wringt seinen Bart wie einen Schwamm
und mit dem Boot arbeitet.
Sein Ruder schlägt die Woge wild,
die Woge, sie schlägt wieder;
aus Himmels offnem Fenster quillt
ein Schauer prasselnd nieder.

Vergänglichkeit, dein Feld sich zeigt,
dein Schwarz läßt mich erblinden,
mein Glock in Charons Nachen steigt
vom Sturm verschluckt und Winden.
Lebwohl mit Doppelbier und Wein,
mit Gläsern in den Händen!
Dein Kiel, mein Freund, schon bald wird sein
an elysee‘schen Stränden.

Übersetzung   k-r u

→ Mit parallelem Originaltext

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