Gustaf Fröding. Sigurd Jorsalafar | Sigurd der Jerusalemfahrer

Sigurd der Jerusalemfahrer

Der Schneesturm rüttelt am Tempeltor,
König Sigurd sitzt in des Tempels Chor
und starrt erstarrt, und es kommt einem vor,
als lausche Sigurd den Psalmen.
“Unser großer König und guter Herr,
ergraut ist schon, seine Seele ist schwer.”
—  Und Sigurd träumt, daß er jung noch wär’,
und träumt von Sonne und Palmen.

Es wandern Wogen zum heilgen Land,
es säumen Palmen Siziliens Strand,
wo Wein und Mädchen auf heißem Sand
für Kämpen reifen als Gabe.
—  König Sigurds Stirne ist hoch und breit,
sie sinkt zur Hand in Gedanken weit,
im Volk man flüstert in Bangigkeit:
“König Sigurd geht bald zu Grabe!”

Bei Åkersborg steht der Streit gar hart,
und scharf klingt Axt gegen Hellebard,
der König kämpft und es weht sein Bart,
auf blut’gem Pferde er reitet.
—  König Sigurds Blick wandert finster wild
vom Heilgen Olav zum Jungfraubild.
—  ”O heilger Olav, sei Sigurd mild,
mit Satan Sigurd selbst streitet.”

Der Schneesturm wimmert und wütend brüllt,
der Abendpsalm schon den Tempel füllt.
Zieh mit, o König, der Schnee verhüllt
die letzten Spuren soeben!
Er schweigt, doch seine Gedanken fliehn
von Frost und Sturm und nach Süden ziehn  —
als Sieger zieht König Sigurd hin
zum Bospor mit goldenem Steven.



 Gustaf Fröding, Schilf, Schilf, rausche. Ausgewählte Gedichte
 übersetzt von Klaus-Rüdiger Utschick, ©1999