Calibariel

1

Ich bin nicht Ariel, nicht Caliban,
ich bin nicht Mensch und ich bin nicht Mann,
nicht Teufel und nicht Gott,
und doch von allen bin ein Teil:
von Dämon, Gott, von Fluch und Heil,
aus Erde geboren und Spott.

Ich wechsle morgens und nachts mein Bild,
bin Calibariel, wild und mild.

2

Ich liebe die Reinen,
zur holden Feinen
des Abends ich schleiche und schmachte,
zur Unschuld ich späh hinterm Riegel,
wie sie sich entkleidet am Spiegel,
daß sie ihre Schönheit betrachte.

Da möchte ich sein ihre Klause,
damit ich sie schützend behause,
doch spür ich im Herzen ein Wehe,
ein Mißtraun beschleicht mich jäh,
mein Blick auf sie hat ein Gift bereit
-  er beißt sie mit giftiger Heftigkeit,
und traurig zum Walde ich gehe.



 Gustaf Fröding, Schilf, Schilf, rausche. Ausgewählte Gedichte
 übersetzt von Klaus-Rüdiger Utschick, ©1999