ORIGINAL DEUTSCH

Die gute alte Zeit

Sterne am Nachthimmel glommen und funkelten,
friedlich noch immer der Tannwald schlief,
Wasserfall polterte, Mühlräder rumpelten,
Schlote gewitterten,
Hütten erzitterten,
Werkhammer donnerte abgrundtief.

Blasbälge atmeten, Glutöfen siedeten,
sengende Hitze aus Essen schlug,
schwitzende rußige Arbeiter schmiedeten,
schleuderten Stangen und
kniffen mit Zangen und
formten das Eisen zu Egge und Pflug.

“Sie geben uns Schlacke für Erz
und Tritte fürs Werk unsrer Hand,
sie dreschen wie Stroh unser Herz
und löschen mit Schnaps unsren Brand.

Mein Weib hat die Not übermannt,
meine Tochter ist Hure im Ort,
der Verwalter selbst ist verwandt
mit dem Kind, das nahm man ihr fort.

Er kocht uns mit Höllenglut heiß,
er treibt uns mit Peitschenschlag,
er kriegt einen Stab glühend weiß
in den Nacken einen schönen Tag!”

Wasserfall polterte, Werkhammer donnerte,
Sonne glutrot ging auf im Ost,
niemand hörte die Wut der Geschundenen –
gepellten, geplünderten,
geprellt in Jahrhunderten
voller Verzweiflung und Branntweintrost.



 Gustaf Fröding, Schilf, Schilf, rausche. Ausgewählte Gedichte
 übersetzt von Klaus-Rüdiger Utschick, ©1999