Dan Andersson

Dan Andersson
(1888 - 1920)

→ Original+Deutsch

Spielmanns Erdfahrt

En spelmans jordafärd

1.

Sieh! noch eh der Morgen rosig glimmt am Himmelmora Kamm,
trägt man einen Toten fort von Berga By.
Über Hügel, über Blumen kommt der stille Zug voran,
in dem kühlen Himmelsdom in fahler Früh.
Schwere Stiefel stapfen hart, über Gras und Rosen rot,
schwere Häupter sind gebeugt wie im Gebet.
Fort von Ödeland und Not trollt ein Träumender sich tot,
auf der Au, die unterm Tau grün glitzernd steht.

2.

Er war wunderlich und einsam, hört man sagen, und er litt,
ach, er litt oft Not an Wohnraum und an Brot.
– Sieh, ein König! klagen Rosen unter hartem Stiefeltritt,
– sieh! ein Träumender und König ist nun tot.
Und es klagen die vier Träger: Dieser Weg ist Meilen weit,
und wenn’s heißer wird am Tage, sind wir platt.
– Schreitet achtsam! jammert leise! braust die Pappel, zischt die Weid’,
wo manch Blume einen Tritt erlitten hat.

3.

Wenn die Kiste schaukelt schwarz durch den frühlinggrünen Wald,
wird es still im morgenmunteren Gefild,
und der Westwind, um zu lauschen, macht bei Rosenblättern Halt:
Wem der Trauerzug am Rosenraine gilt?
– Ach, es ist nur Spielmann Olle, raunt die Föhre, rauscht die Tann’,
ausgelebt sind seine heimatlosen Jahr’.
– Lustig war’n sie, haucht der Wind, und wär’ ich flink wie ein Orkan,
ich würde spielen allerwege um die Bahr’!

4.

Über Heidekraut und Moose schaukelt lebloses Gebein,
über Lichtungen, wo stumm die Sonne glost.
Legt der Abend sich dann kühlend über Preiselbeer und Stein,
hört man Schritte schwer im Himmelmora Moos:
Schritte vierer müder Träger, die in Trauer heimwärts ziehn.
Und sie gehen tief gebeugt wie im Gebet,
doch unter ihren groben Schuh’n können Rosen nimmer blühn
auf der Aue, die im Abendglanze steht.

5.

Und sie sagen: Es ist düster, für die Mutter aber mehr,
die im Armenhaus ihr karges Lager hat.
– Warum treten sie mit Hacken auf uns nieder kreuz und quer?
jammern Rosen, und geknickt ist jedes Blatt.
– Ja, der Tod, der hat getanzt über Himmelmora Moos,
flüstern Disteln zu dem Wiesenklee am Rain.
Denn mit Schuhen, särgegroß, trat er nieder manche Ros’,
da er tanzte mit dem leblosen Gebein.

6.

Über Gras und Häuser grau fliegt die Nacht, zeigt ihr Gesicht,
fahle Sterne glimmern schwach am Himmelsdach.
Über Heide sinkt im Westen nun am Teich herab ein Licht,
streicht ein Singen über Seerosenblätter sacht.
Und johlend über Härnaön hebt ein Sturmwind an zum Lauf,
tosen Wogen und erzählen Ödlands Not.
Über grimmen schwarzen Fluten spielt die Nacht zur Andacht auf,
denn ein Spielemann und Träumender ist tot.