Fredmans Gesänge, Nr. 42

Judith war ’ne reiche Dame
Witwe, aber nicht allein,
und ins Brautbett tugendsame
stieg sie oft hinein.
Doch Judith schläft für immer,
nichts soll sie beschweren!
Verboten ist nimmer,
eine Heldin zu ehren.
Wir klingen: Prost und Skål
auf Frau Manasses Wohl!
Chor.Wir klingen: Prost und Skål
auf Frau Manasses Wohl!

Judith, rosig, weiß, mit Schimmer,
jedem war, der nicht Eunuch
und sie sah im Mädchenzimmer,
wert ’nen Nachtbesuch.
Doch Judith schläft für immer,
und wir können leben!
Verboten ist nimmer,
das Glas zu erheben
auf Evas Töchter hier.
Trink, Chloris, trink mit mir!
Chor.Auf Evas Töchter hier!
Trink, Chloris, trink mit mir!

Judiths Gatte, Herr Manasse,
fand mit sechzig Jahr sein End.
Ach, ist nicht der Saft im Fasse,
Brüder, exzellent?
Doch Judith schläft für immer,
und wir sind noch rasche!
Verboten ist nimmer,
das Lob ihrer Asche.
Den Tod Manasse fand,
als er am Schober stand.
Chor.Den Tod Manasse fand,
als er am Schober stand.

Manasse ging mit bloßem Magen
und im Acker Roggen schnitt,
von der Hitz in diesen Tagen
er den Tod erlitt.
Doch Judith schläft für immer,
und tot ist Manasse!
Verboten ist nimmer,
Brüder, beim Glase,
zu singen Judiths Preis.
Schlaf, süß im Paradeis!
Chor.Wir singen Judiths Preis.
Schlaf, süß im Paradeis!

Sorgen waren und Gefahren
in Bethulien dazumal:
Holofernis wüste Scharen
warn des Landes schlimme Qual.
Doch Judith schläft für immer,
laßt Frieden der Schönen!
Verboten ist nimmer,
die Stirn ihr zu krönen.
Doch eins mir wehe tut:
die Krone ist voll Blut.
Chor.Doch eins mir wehe tut:
die Krone ist voll Blut.

Judith, unsre Heldin, dachte
Juda Kinder zu befrein,
Abra, ihre Dien’rin, brachte
bestes Öl und Wein.
Doch Judith schläft für immer
ganz still und in Ehren!
Verboten ist nimmer,
die Flasche zu leeren.
Mein Nachbar, trinke brav,
stör nicht der Heldin Schlaf!
Chor.Mein Nachbar, trinke brav,
stör nicht der Heldin Schlaf!

Judiths Wein und heiße Tränen
heizten Holofernis Blut,
der sich glücklich konnte wähnen,
nicht war auf der Hut.
Doch Judith schläft für immer,
die ein Schwert konnte zücken!
Ein Mädchen darf nimmer,
ein Herz so berücken.
Doch Holofernes mußt’
vergehn an Judiths Brust.
Chor.Doch Holofernes mußt’
vergehn an Judiths Brust.

Holofernes ließ sie bitten,
lag berauscht in seinem Bett,
fühlte wundervolle Titten
an dem Weibchen nett.
Doch Judith schläft für immer,
sie kappt’ ihm den Schädel!
Solches darf nimmer
ein heutiges Mädel.
Frau Judith, schön und reich,
Mamselln von heute gleich.
Chor.Frau Judith, schön und reich,
Mamselln von heute gleich.

Abra nahm den Kopf beim Schopfe,
stopfte ihn in einen Sack;
anderntags der Diener klopfte,
kopflos Holofernes lag.
Doch Judith schläft für immer,
sie schied einst von hinnen!
Holofernes ging ’s schlimmer,
sein Blut sah man rinnen.
Ein Spiel mit blut’gem Trumpf.
Sieh Judith im Triumph!
Chor.Ein Spiel mit blut’gem Trumpf.
Sieh Judith im Triumph!

Judith in der Erdenmasse
nun bei unsren Vätern liegt.
Holofernes und Manasse
sind vom Wurm besiegt.
Ach, Judith schläft für immer,
laßt ruhn ihre Asche!
Doch ruhen soll nimmer
im Schrank unsre Flasche.
Wir klingen: Prost und Skål
auf Frau Manasses Wohl!
Chor.Wir klingen: Prost und Skål
auf Frau Manasses Wohl!