Fredmans Gesänge, Nr. 18

DER SCHÜTTELFROST.

Der Schoß der Zeit mich bald entlässet,
bald ist versagt mir Bacchi Saft.
Leb wohl, du Trunk voll süßer Kraft,
lebt wohl, ihr Trauben, ungepresset,
ich ende meinen Lebenslauf.
Verzweiflung, wenn ich rufe, bringe
und leg um meinen Krug die Schlinge,
und nach dem Trunk häng ich mich auf!

Mein Krug, der einstmals Lust und Leben
mit seinen warmen Tropfen gab,
steht umgekippt an meinem Grab,
und andre ihre Krüge heben
rund um den Tisch, wo ich einst saß:
die Brüder in der Bier-Coulisse
bei Tabaksqualm voll herber Süße –
und leer mein Haken, leer mein Glas.

Noch seh ich, wie der Präses trinket
wie seine Tabakspfeife brennt,
wie er zu mir am andren End’
mit dem verzierten Humpen winket;
doch er wie ich schaut schief und blind.
Mein Mund kann kaum noch mehr versuchen,
als was die Fliege kriegt vom Kuchen –
zu heiß die Eingeweide sind.

Mein Freund am Humpen Numro Viere,
rotwangig wie die schönste Ros,
so trotzig keck wie ein Matros
mit zehn Pfund Heuer auf dem Piere,
wünscht mir, ich soll zur Hölle gehn,
möcht mich zersägen mit Behagen,
weil ich ob meinen kalten Plagen
in Fieberqual den Schnaps laß stehn.

Doch nein! nie mehr zecht diese Zunge
und keinen Tropfen mehr verkost’t,
die kaum hervorbringt noch ein “prost”.
Starr macht die Kälte Blut und Lunge,
hat Beine taub und steif gemacht;
die Hand ist Eis, der Fuß aus Glase,
und Wasser rinnt mir aus der Nase;
die Seele bäumt sich bang bei Nacht.

Ja, dort wo sonst an meiner Kiste
aus einer Flasche Bacchus lacht,
ein Topf aus Liljans Krug heut Nacht
mit Molke hält silentium triste,
in meinem Humpen Hafersaft!
Die leere Pulle, Doktors Kittel,
und im Papier das Abführmittel
ist meine Hinterlassenschaft.