Fredmans Gesänge, Nr. 15

KELLERLIED.

Kommt, schöne Kellermädchen,
in hurtgem Lauf, in Tripp und Trab,
zapft an das nächste Fäßchen,
daß ich zu trinken hab.
Ach, ich verschmacht,
halte Wacht
Tag und Nacht.
Bringt fünfzehn Sorten Rebensaft!

Wie herrlich es doch wäre,
ich tränke aus, was ich bestellt,
um dann von Trunkes Schwere
zu fallen als ein Held.
Hurtig! Gebt her!
Glas ist leer;
weiß nichts mehr
andres, als daß heim ich kehr.

Ich will nicht bleiben nüchtern
bei soviel Köstlichkeit im Faß.
Man lebt bedrückt und schüchtern,
wenn man entbehrt das Naß.
Ich halt dafür,
daß ich mir
die Kehle schmier,
wässre fest, bis ich krepier.

Wir trinken bis zum Grunde,
und folgen treulich unsrem Stern.
In dieser frohen Stunde
sei jeder Streit uns fern!
Dein Glas zerschlag,
prosit sag
beim Gelag!
Jeder trink, was er vermag.

Wir warten auf die Wässer
in Bacchi wahrem Paradies.
Bringt her die vollen Fässer
Bordeaux und Portugies!
Ruft nicht “Zum Wohl”
oder “Skål”
mit Gejohl!
Saufen sei unsre Parol.

Seht, wie die Sterne blinken
und nächtlich kalte Nebel gehn.
Ich kann nach soviel Trinken
nicht denken, sehn noch stehn.
Brüder, wohlan!
Ab und an
muß ein Mann
sich vertragen so gut er kann.

Ich strecke meine Fahne
schon bald, mein lieber Saufkamrad.
Prosit, mein Freund, ich ahne,
daß unser Abschied naht.
Voll ist das Maß!
Manches Glas,
manches Faß
labte uns mit seinem Naß.