Fredmans Episteln, Nr. 78

die ein Lustspiel zu Vater Diedrichs Namenstag ist,
aufgeführt anno 1780 im Amsterdam,
einem Krug in Stora Hopargränd.

Als Jeppe von der Zinne verschwand,
nahm just der Trommler die Pinne zur Hand,
und Berg mit seiner Oboe d’amour
stand still und stur;
kaum ging das Öl im Leuchter zur Neig,
da surrt’ im Gäßchen Baß und Geig,
und Berg auf seiner Oboe nun blies
gar schön und süß.
Der Stänkerer Löfberg, alt und erfahrn,
am Krugtor stand und blies den Dulcian,
er fingerte, schlingerte, brummte und schnob,
zum Krüger die Fäuste erhob.
Denn Åkerblom, so filzig und barsch,
unter roter Mütze blickte so harsch
und wünschte uns alle zum Teufel dafür,
schlug zu die Tür.

Kein Kater war zu sehn in der Gass’,
am Dach der Schornsteinfeger schon saß,
hielt vor der Morgenröte goldnes Band
die schwarze Hand.
Soeben klang ein plätschernder Ton,
der Hollandschiffer hatte, pardon,
die Hosentür schon aufgemacht am Kai
beim Hahnenschrei.
Es knarzt’ kein Tau, kein Reep, keine Rah,
es war so früh, daß der Zöllner schon sah,
wie fahl sich erhellte die Luft und die Wog,
eine Möwe die Masten umflog,
so früh, daß Berg trank Schnaps mit Krakeel,
und dito zwei und guckte schon scheel,
und summa summarum, drei viertel auf zwo
schlug ’s irgendwo.

Bewahre! Berg, er fluchte, oje,
daß Satan fuhr in Bergs Oboe:
es quiekte, pfiff und fiepte wie verflixt,
es stimmte nix!
Ein Rohr, so proper, blank wie der Tag,
gedrechselt Birkholz, Messingbeschlag,
es spielte dennoch nicht den Kammerton.
Was war Räson?
Der lange Anders grünäugig stand
und die Wirbel seiner Baßgeige spannt’
und schwor auf den Daumen, auf Zapfen und Spund,
den Krüger erschlüg er zur Stund.
Der Stänkerer Löfberg, gelb wie die Leich,
verfluchte die Musik und sich selber zugleich,
zerschlug den Dulcian und sich selber schlug
zum nächsten Krug.

Die Krügerin, welch liebliche Seel,
so herzensgut, wie je ohne Fehl,
sie holte Licht und schenkte frisches Bier
in Krügen vier!
Und weil es war Sankt Diederichs Tag
und Diederich ein Schuft ohne Frag,
so trug sie Gläser auf, und klaren Schnaps
für jeden gab ’s!
Wir tranken auf die Krügerin flott.
Ich neigte mich und nahm mein Fagott:
Es lebe die Mutter in Frieden gesund!
Kamerad, spiel die Geige am Spund!
Hurra, die Krügerin ist galant,
der Krüger aber ist eine Schand.
Ein Hoch und Hurra auf die edle Madam
im Amsterdam!