Fredmans Episteln, Nr. 76

An die Wirtin vom Wismar betreffend Hans Jergen,
als aus dem Ball gepeitscht wurde.

Sieh Hans Jergen artig sich bücken,
Tuch um den Schädel und Pflaster am Mund.
Schwarzes Haar hängt herunter am Rücken,
fliegt um die Ohren just wie einem Hund.
Den Krug in der Hand ruft er zum Wirt voll Gier:
Niemals Schvachbier, bringt mir Dobbeltbier!
Naa, anjetzo hier;
Seynd sie nun so gutich. Prosit mein Nachbar! Gesundtheit, plaisir!

Messingkamm im Haar überm Nacken
glimmert im Lichte so fettig und matt.
Und wenn Jergen läßt knarren die Hacken,
blitzen die Perlen am Hute im Takt.
Die Nymphe beim Humpen ruft: Na, trink auf mich!
Ach! mein Schatz, Engelskindlein! Wer, ich?
Excusirn sie mich;
Seynd sie nun so gutich; warten sie nun, gleich im augenblick!

Lustig! Jergen trinkt ohne Ende,
hechelt und lächelt und bittet zum Tanz.
In Manschetten es wirbeln die Hände,
Satan und Liebe besitzen ihn ganz.
Na, Jergen, bist angeeckt, so kommt mir vor?
Nein, Packatell! Hechre schtimm then Tenår!
Minuette encore!
Seynd sie nun so gutich; Nun gantz piano, nun forte, alors!

Jergen, still! daß der Ball nun beginne!
Hör Nymphen singen, schweig stille, du Hund!
Jergen plötzlich im Tanze hält inne,
flattert und trippelt und dreht sich im Rund.
Die Hand auf dem Rücken flüstert er kokett:
Ach meine Seel wo ist mein bouquett?
Encore minuette!
Seynd sie nun so gutich. Nun mit erlaubniss der kleine flageolette!

Mutter, sieh den Narren dort taumeln:
Goldgelber Leibrock und Wams aus Kattaun,
sieh wie Fahnen die Hemdsärmel baumeln,
Hosen sind fleckig, voll Federn und Daun.
He, setz vor die Türe dieses Federvieh!
Gott schwere noth, parbleu, sacristie!
Was befehlen sie?
Hohl mich der Teuffel! Hundschfott, carnalje, und Racker-parti!