Fredmans Episteln, Nr. 74

Über das Portrait der Bergström.

Herrn Professor und Ritter Sergel gewidmet

Mein Sohn,
deine Näpfe und Schalen
um die Pinsel geordnet stehn, :||:
wo wir stille dich sehn
die junge Freia malen.
Mein Sohn,
mag auch grölen der Wirt im Saale,
blick auf sie, ihren Liebreiz abmale!
Die Augen feurig loh’n,
gleich Sternen strahlen. Fin.
Mowitz! Ach, sie beglückt dich sehr.
Süße Beschwer
für deine Hand
und Genius’ Kraft,
von Paphos’ Land
hierhergebracht,
dir geliehn, mein Sohn! D.C.

O Anmut, welche Lust, ihr Götter, welche Wonnen!
Sieh das Gebände, ach, von Spitzen fein umsponnen,
sich um die Locke schmiegt und zart ihr Haar umspannt!
Am Nacken prangt ihr Zopf mit rosenrotem Band.
Welch Glanz an ihrem Ohr! Ein Glanz, der feurig funkelt
an ihrem Ohrgehäng und blendend nun verdunkelt
durch die Rubine, rot in ihrem Brand und Blitz,
am Bogen ihres Augs blumige Silberspitz.
Mit grüner Seide, ach, ihr stolz Gebände prahlet,
changierend, dunkel, glatt, so wie es Mowitz malet.
Den Hals so weiß wie Schnee ein Tuch kost keck und kühn,
und fächelt wie beseelt, schmalrandig, gelb und grün.
Sieh auf den Brüsten hoch die goldne Kette spielen,
die, mit Smaragd geschmückt, sich teilt in Reihen vielen!
Ich frage mich, mein Sohn – prosit mit kühlem Wein! –
ob nicht das Herze will, wozu das Aug lädt ein?
Ach, wie sie lieblich nickt und schön ist anzuschauen:
die Augen dunkelblau, kohlschwarz die Augenbrauen;
auf ihren Lippen hold des Lebens Frühling weilt,
die Haut, der Rose gleich, ein Gott hat zugeteilt!
Nein, Mowitz, keine Farb so echt ist in den Tiegeln,
so zart, lebendig, fein, die je Natur kann spiegeln
und ihre Form und Pracht jemals erreichen kann;
ein einzger Blick von ihr macht Malers Kunst zu Schand.
Bist du verzagt darum, da du den Pinsel führest?
Sag, ob beim weißen Rock du edle Keckheit spürest?
Ihr Hemd aus weißem Taft, und Schuh aus Goldbrokat...
Ach, male, Mowitz, mehr, mach froh das Zeichenblatt!
Frau Bergström, prost, zum Wohl! Dein Bild am Tuche prahlet!
Apell, führ seine Hand! Ich trink dir zu, der malet.

Madam!
Setz dich her, sitze stille,
schließ deine Augen zur stillen Stund! :||:
Deinen lieblichen Mund
ein Lächeln süß umspiele!
Madam!
Etwas Schönes im Herzen fühle,
denk an mich, sieh zu mir, sei nicht kühle!
Deine Brust, so rund und stramm,
ist süßeste Mühe! Fin.
Doch die mein Pinsel schuf als Bild,
brennt in mir wild,
ich bin verliebt
in heißer Gier.
O Freunde, wer gibt
den Rahmen mir,
golden, für Madam? D.C.

Helft, Götter! Mowitz, halt! Du wanderst wie benommen
und stürzest in die See, in Wogen umzukommen.
Halt, Mowitz, halt, mein Sohn! Nur ruhig Blut, hab Mut.
O nein! So laß mich gehn, ich werf mich in die Flut.
Wo ist mein Säbel? Marsch! – – – –