Fredmans Episteln, Nr. 70

Über etwas, das im Artillerielager passierte
anno 1773.

Mowitz, zieh deine Mütze nach oben,
blick aus deinem weißen Zelt!
Trommler läßt seine Pinne schon toben,
Grenadier’ sind aufgestellt.
Abendröte gießt schon ihre Flammen,
Wagen sie schrammen,
Wachen sich sammeln,
Wirte sie stammeln
lang schon.
Kriegssignal herüber gellt.

Zelt eingehüllt von Nebel und Dunkel,
von Kanonenblitz und Schmauch,
Blauröcke dort im Pikengefunkel
rücken vor durch Brand und Rauch.
Trommelwirbel in den Lüften flirren,
Blitze sie irren,
Kugeln sie sirren,
Mädchen sie schwirren
– heißa!
auf Bergeshöhn um Baum und Strauch.

Hörst du die Burschen rufen und lärmen,
schweißgetränkt, in Hitz und Harm,
um einen Mörser wirbeln und schwärmen,
Arm erheben gegen Arm?
Sieh, die Augen lodern heiß gleich Bränden,
und als sie wenden
mit ihren Händen
an beiden Enden
Mörser,
zischt die Kugel blank und warm.

Mowitz, wach auf! Die Chefs kommandieren
Bataillon um Bataillon.
Mannschaften sich im Viereck formieren
und die Hüte ziehen schon:
Hör den Andachtssang von weitem schallen!
Im grünen Saale,
von Berg und Tale
hör viele Male
Echo!
Mowitz, erwache! Hör Donnerton!

Wach auf! Die Sonne sinkt schon hernieder,
hat ihr Feuer ausgebrannt.
Blicke zum Weg, zur Biegung hinüber,
wo die Räder wirbeln Sand!
Sieh die Schönen, eingeschnürt in Korsette,
Kecke und Nette,
kommen zur Mette,
dort ist die rechte
Venus,
die der Olymp uns heute gesandt.

Siehst du zwei rote Räder dort rollen
in dem zarten grünen Gras?
Lieblich in offner Chaise sitzt Ulla,
schaukelt keck im Takt des Rads.
Sieh das Fohlen, bang in blanken Zäumen,
zwischen den Bäumen
schnauben und schäumen.
wiehernd sich bäumen,
fliehen
über Mulden, Moor und Marsch.

Eile hinunter, Mowitz, zur Laube
hin zu Ulla warm und schön!
Ach, hingestreckt die Chaise im Staube,
Räder losgelöst sich drehn!
Um die Lunte Hymens Fackeln brennen,
dich zu versengen;
Göttin kaum können
ihr gleich wir nennen,
Mowitz,
trotz der Götter List und Flehn.