Fredmans Episteln, Nr. 66

An Mowitz den Maler.

Mowitz vor der Leinwand, sieh,
wie entflammt ist sein Genie!
Sieh ihn malen
ach! in süßer Müh.
Werkstatt ist mit Plunder voll:
Glitzertand, so wundervoll,
bunte Schalen,
Krug und Kasseroll.
Staffelei vor unsren Augen sich erhebet,
das gespannte Tuch noch immer kalt und glatt.
Mowitz’ Pinselquast darüber schwebet,
bildet eine Hirtin ab, die Blumen hat.
Ach, ihr Mund, süß wie Suckat,
jeder Kuß wert ein’ Dukat!

O wie drollig ist der Kauz
mit Filzmütze, Schal und Flaus,
tauscht wie immer
Stift und Pinsel aus.
Blanke Messingknöpfe, schau,
blinken gelb im Kittelgrau.
Sieh den Schimmer
purpurn, gelb und blau!
Sieh den Augenschirm aus grüner Seide prangen,
grünen Schatten auf der Nase, rot wie Mohn!
Deine Brillengläser kippeln an den Stangen,
wenn du deine Farben ausprobierst, mein Sohn.
Tränk das Tuch in süßer Fron
und genieß den Arbeitslohn!

Wärm den Genius, nimm dir Zeit,
folge, dem Olymp geweiht,
deinem Sterne,
mache dich bereit!
Mal’ mit jedem Pinselstrich
ihren Reiz so wonniglich,
wie du gerne
ihn zur Hochzeit willst für dich.
Einmal Freia kommt zu ihm, das Bild umschwebend,
einmal Amors Pfeil die wunde Brust berührt,
einmal steht er vor dem Bild, versunken, bebend,
einmal in den Rosenflor zwei Tupfen streut.
Mowitz, du hast hier vollführt,
was Apelles’ Kunst gebührt.

Sieh die Hirtin, schön geschnürt,
just von Amor hergeführt
auf den Flügeln
und zur Lust gekürt.
Perlen ziern ihr Lockenhaar.
Ach! ihr Blut tost in Gefahr;
ungezügelt
glimmt ihr Augenpaar.
Wenn die Nymphe atmet, heben sich die Brüste,
und es blinkt darauf ein Kreuzlein mit Rubin.
Flor und Blumenzier umrahmen ihre Büste.
Schnürleib ist aus allerfeinstem Karmosin.
Kaum Apellis Pinsel liehn
je Gestalt schönrer Cousin’.

Mowitz sich in Lust verlor,
beugte sich zur Leinwand vor,
streut’ zwei Punkte –
und bedeckt’ mit Flor,
ach! mit Flor sie überzog,
da er sich hernieder bog,
tupfte, tunkte –
edles Feuer ihn bewog.
Wie sie kichert, schüttelt ihren Kopf und lächelt,
öffnet den Salopp und löst ihr Perlenband
und mit ihrem Sonnenfächer spielt und fächelt,
narrt den Alten von Stafflei und Leinewand,
wo als Knospe seiner Hand
Freias Körper neu erstand.