Fredmans Episteln, Nr. 56

Über Mutter Maja im Krug zum Vergoldeten Becher.

Sieh Mollberg, schwarz berockt, beflort,
mit Bocklederhandschuhn am Trauerort,
mit wirrem Haar und ohne Wort.
Der Schmerz durchbohrt
und trägt ihn fort,
ja, ihn durchbohrt
und trägt vom Trauerort fort, fort!
Sieh Mowitz, mutlos stehet er
mit schneeweißem Tuch im Tränenmeer
und schlägt sich vor die Brust, sieh her!
Die Angst ist schwer
und drücket sehr!
Die Angst ist schwer,
die Angst wird mehr und mehr schwer, schwer.

Doch Klotho mit der Scher
vom Halme trennt die Ähr,
den Lebensfaden ab.
Eine Hand
deckt mit Sand
Schönheit, die in Freias Fron einst Freude gab,
Vestalin, streng ist die Straf, eng das Grab!

Der Witwer, ach! bestürzt, verstört,
mit Rockschoß vorm Auge zum Himmel schwört,
schwitzt Bier, keucht Fusel, seht und hört!
Ach unerhört,
sein Heim zerstört,
ach unerhört,
zerstört, ach unerhört, hört, hört!
Die Türe hat ein Schloß gar schwer,
verrammelt mit Brettern und Balken quer.
Sieh, Bruder, hier das Schild, sieh her!
Goldbecher leer,
der ist nicht mehr,
Goldbecher leer,
schäumt nimmermehr, ist leer, leer, leer!

Doch Klotho mit der Scher &c.

Du Nymphe, setz dich an ihr Grab!
Ein Meer der Lüste sie umgab,
die holde Blume, ach, brach ab,
die Wollust gab
Magnat und Sklav,
die Wollust gab,
bis sie der Tod, ripp-rapp, riß ab.
Ja, dieser Staub so rein und klar
stellt Mutter Majas Bildnis dar.
Sie suchte Schwestern, schön und rar,
in Bett und Bar,
zur Nacht sogar.
Verliebt sie war
in Amors Müh und Gefahr. Fahr! Fahr!

Doch Klotho mit der Scher &c.

Bind ein Bukett Windröschen da,
Narzissen pflück und Arnika,
Jasmin, Levkojen und – haha! –
gib sie – ja, ja! –
an Mollberg da,
an Mollberg, ja,
dem solch ein schlimmes Leid geschah.
Ach, Mollberg, weine nicht so sehr!
Ihr Staub gibt Blumen Wohlduft schwer.
Nimm dein Bukett und setz dich her,
ein Gläschen leer!
Prost, bitte sehr,
dein Gläschen leer
und zeig ein Lächeln her! Mehr, mehr!

Doch Klotho mit der Scher &c.