Fredmans Episteln, Nr. 55

Über Mollbergs Kegelspiel in Fagges Wirtsgarten
am Hammarby-Zoll, an einem Sommerabend 1773.

So sieht er aus unter den Strahlen,
die die Sonne schickt im Untergang:
müde und lang –
Haare mit Nadeln
tragen einen Hut von Rang
mit Kordelstrang,
prangend und prahlend.
Sieh, wie seine Kugel sprang!

Blau ist der Rock, weiß die Manschette,
Tuch um seinen Hals aus schwarzem Taft.
Niemandes Kraft
fort reißt, ich wette,
Hemd, getränkt in Bacchi Saft.
Glaub mir, er macht
aus Ruß und Fette
Farb für Bart und Stiefelschaft.

Siehe sein Bild oft sich verlieren:
Eichen um die Kegelbahn dort stehn.
Mollberg wir sehn
gestikulieren,
schimpfend zwischen Kegeln gehn,
hüpfend auf Zeh’n
wild dementieren,
daß im Wurfe fielen zween.

Pfeife im Mund, Münze vorm Fuße,
Hut verkehrt auf. Mollberg, du hast recht!
Falte Manschett
vor deinem Schusse!
Stell die Kegel auf gerecht!
Bumm! Gar nicht schlecht!
Prosit, zum Gruße
jedem, der hier schwärmt und zecht.

Wetter ist mild, Wolken verschwimmen,
Blitz und Nordlicht über Wassers Plan.
Schloß und Altan
schimmern und glimmen,
Mond beglänzt die Kegelbahn,
deinen Dulcian
heiter zu stimmen
für Diana, Mars und Pan!

Bei deinem Sang und seiner Zierde
Echo seufzt an Mauer, Berg und Wall.
Die Nachtigall
lauscht mit Begierde
deiner Flöte süßer Qual.
Und zum Cymbal
Färsen und Stiere
paaren sich in Au und Tal.

Mollberg, zum Wohl, hör Nachtigalle!
Lausch bei Nacka, horch bei Hammarby!
Himmelhoch, sieh,
und tief im Tale
trotzt sie deiner Klag mit Müh.
Hör Melodie!
Sing beim Pokale,
daß uns Flora ewig blüh!

Im Eichenhain eifre und geifre,
schimpfe frei, es sei dir wohl vergunnt!
Nimm in den Mund
die Tabakspfeife,
Rauch laß wirbeln weiß und rund!
Nutze die Stund,
Flasche ergreife!
Regenschauer dräut im Lund.

In einen Stall kriechen sie nieder,
zwischen Flaschen, Kerzentalg und Schmutz.
Hut und Kapuz
glänzen nun wieder.
Kugel liegt im Regenguß.
Tabaksgenuß
teilen die Brüder,
streiten wegen eines Krugs.

Wolke versprüht kühlende Nässe.
Regenbogen prangt in goldner Pracht.
Neu ist erwacht
ihr Interesse,
und die Bahn wird blank gemacht.
Trunk wird gebracht,
mindert die Blässe,
und man zankt und küßt und lacht.

Prost! Ah, vorbei! Mollberg warf achte.
Was der Daus! Ja, Wingmark hat verfehlt.
Zwölf sind gefällt.
Wett mit Bedachte!
Um zwei Krüge Bier! Wer hält?
Neu aufgestellt;
ziel aber sachte,
schau genau aufs Eck vom Feld!

Was sagst du nun? Fielen nicht beide?
Na, wer hält fünf Schnäpse diesmal, sag?
Ach, jeder Schlag
bringt mich in Kreide,
Bier macht Sinn und Sehnen vag’.
Auf zum Gelag!
Bacchus gibt Freude,
Mollberg, bis zum lichten Tag!

Mädchen, zum Wohl, zahme, verquere!
Prosit euch, die unbegattet noch!
Ihr, die vermocht
uns zu beschweren,
prost! ihr seid uns teuer doch.
Schließet den Pott!
Bacchus wir ehren,
Weinlaub um die Stirnen hoch.