Fredmans Episteln, Nr. 41

Bei einer Gelegenheit, da es Christian Wingmark in einem Handgemenge mit Mollberg an den seidenen Kragen ging.

Mollberg wie ein Kapaun
stand voll Federn und Daun
mit Weste aus bestem Kattaun,
Lederwams speckig und braun,
dito das Hemd, da er stand
mit dem Pott in der Hand,
breitbeinig und schwankend im Sand,
hustete, durstig vom Brand.
Die Hose hing lose am Band;
er tappte zum Fenster und trank,
schraubte die Luke bedacht,
lugte hinaus in die Nacht.

Ja, hier wohnt der Korpral
in der Stube, so fahl,
gewölbt wie ein Chor und so kahl,
doch ohne Stühle, fatal!
Türe ist ohne Schloß,
doch die Koje famos,
ja! just wie ein Koben fürs Roß,
strohig und polsterlos,
doch drüben am Fenster, hurra,
liegt prächtig ein Fäßchen, o ja!
Komm und sieh: da ist er!
Öffne die Luke, mon chèr!

Mollberg steht wie ein Tor
kratzt sich hinter dem Ohr,
sieh! struppiges Haar guckt hervor
unter der Mütze, Signor!
Trink, betrachte, Kamrad,
wie sein Arm desperat
aufs Faß schlägt die Axt akkurat,
bis er es angezapft hat.
Mollberg, guten Morgen! – Gu’n Tag!
Was hast du im Fäßchen? – Arrak!
Und im Humpen vor dir?
Bruder, ein doppeltes Bier.

Aber was hast gemacht,
Mollberg, du heute nacht?
Wie bist du geschwollen und matt?
Sieh, deine Nase ist platt!
Deine Geige, oje,
schwer lädiert, wie ich seh!
Wie ging das wohlan? Jemine!
Blutig dein Waldhorn, o weh!
Halt ’s Maul an den Zapfhahn und schweig!
Nie, Bruder, im Kriege sei feig!
Hab gerauft jedes Jahr,
immer, wenn Namenstag war!

Aber warum, sag an,
mußt du prügeln und schlag’n?
Ja, weil sich ’s ergibt eben dann.
Darum, mein wackrer Kumpan,
trink, halt ’s Maul und sei still,
so wie Mollberg es will!
Beim Spunde sei flink und agil,
singe ein Liedchen und spiel!
Na? kannst du nicht singen? – Oh nein!
Dann tanz mit mir, Herzbrüderlein,
du bist Luxemburg, du,
und ich der Teufel, juchhu!

Tanze, Wingmark! – Alarm!
Fühl! ich mache dir warm.
Au! Au, au, au! Au, au! mein Arm.
Au, au! mein Kragen, o Harm!
Mollberg, schone mein Blut
und den Kragen, sei gut!
Au! Sieh nur, jetzt ist er kaputt.
Warte! ich fass’ wieder Mut,
klag Muttern das teure Malheur,
du Saufbold und Schnapsmarodeur!
Laß mich, Mollberg, ade!
Mutter erschlägt mich, o weh!