Fredmans Episteln, Nr. 37

An Mollberg, als er Posten stand am Kungsträdgården.

Mollberg, steh stille! Am Tore steh still
und befolge still Feldwebels Befehle!
Wie eine Puppe rotbackig mit Drill
schütze Floras grünende Säle!
Feder am Hute zeigt seinen Rang,
glänzt zwischen Flinten und Bajonetten.
Sieh, wie er stolz in weißen Stiefletten
trippelt beständig im tänzelnden Gang.

Bruder, dein Anblick verrät uns ein Blut,
das mit Mordgewalt vom Herzen aufsteiget.
Sieh! wie er standhaft steht unter dem Hut,
präsentiert beharrlich und schweiget,
wandert dann wacker mit dem Gewehr:
breit seine Brust und grimmig die Schnute,
Zopf ungeknotet, gleich einer Rute,
Haare gepudert, gewickelt und quer.

Hinter dem Gatter, welch blühende Pracht,
Urnen und Girlanden, Ranken und Bogen!
Hier wird verneigt und gegeigt und gelacht
beim Geplätscher sprudelnder Wogen.
Siehe! mit Schleppen, glitterbehängt,
Gräfinnen, Hirtinnen, lieblich und prächtig;
Männer noch schmächtig, Frauen schon trächtig,
stehn zwischen Urnen und Unrat gedrängt.

Siehe, wie Flora uns öffnet ihr Feld
und ein jedes Auge rühret im Parke.
Blicke zum Gitter hinüber, mein Held,
wo der Gärtner schwingt seine Harke.
Unter der Buchsbaumgruppe im Kies
Namen, gesetzt in hundert Fassonen,
Nelken inmitten roten Päonien
zieren die Winkel und duften so süß.

Blicke durchs Fernrohr ins grüne Geviert:
rosiges Geflecht an Mauern und Bauten!
Siehst du, wie Orpheus Flora hofiert
bei Cymbalen und Flöten und Lauten?
Ja, mit Musik ergötzten im Park
Grenzer, Anzani, La Hay und Camilla
zwischen Adonis, Myrte und Scilla
unter den Linden einst Volk und Monarch.

Auf einer Bank seine Iris, so hold,
siehe einen Kämpen herzen und kosen;
Stiefel mit Sporen und Gürtel mit Gold,
und die Knöpfe, die funkeln und glosen.
Unter dem alten knorrigen Baum
kauert ein Schläfer, milde beschattet,
neigt seinen Schädel schwer und ermattet,
lächelt und hechelt ohnmächtig im Traum.

Siehe den Läufer! er trippelt zum Stall,
brandgelb ist sein Hemd und blau seine Schärpe.
Hinter ihm wiehern die Hengste beim Knall,
als der Kutscher schwingt seine Gerte.
Hör, wie sie rollt, die goldne Kaross’,
Brrr! und hü hott! Die Hengste, sie scheuen.
In der Kaross’, mit vieren Lakaien,
schaukelnd und rauchend ein grober Koloss.

Purpurn, bejahrt und am Rock Stern und Band,
promeniert ein Fürst, und Mollberg ist hurtig,
meldet “Gewehr!”, nimmt Muskete zur Hand,
präsentieret gar bitter und durstig.
Mit Federbusch und Glitzergewand
wandert ein andrer, frisch und fidele,
Hut in der Stirn, und rote Juwele
glimmt in der Sonne wie Glut an der Hand.

Welch ein Verbeugen und frohes Krakeel!
Sieh die Musikanten mit purpurnen Nasen,
silberbetreßt, aber durstig und scheel,
und mit Schnuten für munteres Blasen.
Rotwangig pustet Bergström ins Rohr
und es mit feisten Fingern befummelt.
Sieh! in der Schar, die fröhlich sich tummelt,
schimmern zwei Deckel aus Messing hervor.

Bruder, dereinst, wenn du fällst auf dem Feld,
sieh das Arsenal! mach Ehre den Ahnen!
Mars hat uns beiden die Bahrung bestellt
auf zerrissenen, blutigen Fahnen.
Unsere Säbel hängen schon dort,
rostig von Blut, gekrümmt in Kosaken,
und dieses Hemd am blutigen Haken
zeichnet die Kugel, die jäh dich gemord’t.

Mollberg, zum Wohl! Schlug die Glocke, Kamrad?
An Sankt Jakob rückt der Zeiger auf Achte.
Schreckt dich der Tod? Nein, des Königs Soldat
forcht sich nie, ob er focht oder wachte.
Ganze Abteilung! Alle Mann halt!
Halt, alle neun! Gewehr präsentieret!
Schon schlug es Zehn. Löst ab und marschieret!
Brandwächter ruft. Von der Brücke es hallt.