Fredmans Episteln, Nr. 35

Über seine Schöne und ihre Unbeständigkeit.

Brüder, sie irren durchs dürstende Land
zum blinkenden Glas an der Schänke,
alle gelangen zum labenden Strand.
Trinkt, Brüder, löscht euren Brand!
Hör, wie sie tapern und schlurfen im Sand,
tappen an Türen, an Tische und Bänke,
tummeln und taumeln, den Krug in der Hand,
mit Blut an Gesicht und Gewand.
Vater Mowitz, schenk ein, schenk ein!
Ans treulose Mädchen ich sterbend denke.
Nacht und Tag nur der Branntewein
Trost kann in Trauer mir sein.

Brüder, sie streiten und schlagen sich fast,
beim Bierbecher gestikulieren,
manch einer trinkt noch sein Viertel in Hast,
und seinen Hirschfänger faßt.
Würfel sie klimpern und klirrn ohne Rast,
Brüder sie klappern und stolz diskurrieren,
plappern nicht müde von Kirchturm und Mast,
der Kellner flucht wüst wie ein Gast.*
Ho, ja, ja, ja, das ist so, ja!
Gib Feuer, ich will mein Pfeifchen schüren.
Liebchens Wohl! Ach, wie ist sie nah,
hat viel mich gekostet, o ja!

Gab ich ihr Kind nicht ins Heim für mein Gold
und gab ihr nicht kostbare Schätze,
soff, als es starb, nicht den Trunkenbold,
den Totengräber selbst voll?
Als die Patrulle sie fortführen wollt,
hab ich nicht wacker gerauft für die Metze,
für sie riskiert, die mir teuer und hold,
den Buckel im Liebessold?
Aber, Anna-Greta mein,
ich bin wie ein Vogel, umgarnt vom Netze,
der nur wieder in Freiheit will sein
und den kaum der Tod kann befrein.

Schenke mir ein, daß der Schmerz mir vergeh,
den Saft mit der lieblichen Säure!
Nase und Mund voller Tränen, herrje!
Prost! daß es besser mir geh!
Kaum daß im fünfzigsten Jahre ich steh,
weiß ich gewiß und euch allen beteure:
Fusel, den gestern ich soff, ist seit je
vortrefflich, wenn Liebe tut weh.
Gieß ein Tröpflein oder zwee
und träuf mir aufs Herz und lösch das Feuer!
Liebesweh, geh zum Teufel, vergeh,
und Branntwein, ersäufe mein Weh!

Ach, ihre Haut spür ich gestern wie heut,
ihr brennender Blick mich verzehret.
Schwer ist mein Herz, da es bangt und bereut
und vor den Buddeln sich scheut.
Ach, ihre Brust einmal lockt, einmal dräut,
Freia betört mich, und Freia mir wehret.
Hände ohnmächtig, das Herz ohne Freud,
ach Himmel! mein Schmerz sich erneut.
Nun ist’s, Anna-Greta, genug!
Du weißt ja wohl selber, was dies lehret:
Fahr zum Teufel für Lüge und Trug!
He, Kellner, schenk ein! – ’s ist genug!