Fredmans Episteln, Nr. 33

Primo über Vater Mowitz Überfahrt nach Djurgården
und secundo über die keusche Susanna.

Was ist das? Macht Platz an der Rudertreppe! Aus dem Weg, Bierfiedler, Schuhputzer, Zollschnüffler und Matrosen! – Hurra! Den Heringschwanz auf die Bierkanne! – Trumpf auf den Tisch! – Still, Alte! – Schwefelhölzchen, sechs Bündel für’n Heller! – Trumpf auf den Tisch! Acht Schilling halt ich. – Courage, du alter Granadeur! – Dreh den Tisch um! – Purzelbaum mit Madame in der Scheune, Zitronen auf dem Tischtuch, Spinnrad auf dem Dach und Holländer auf der Kiste. – Fort hier, Kohlenpacker, Milchmägde und Waschweiber! – Na, murks ihn nicht ab, den guten Nyländer mit Bretzeln um den Hals! – Prost, saufen wir einen! – Laßt Mowitz vor mit seiner Baßgeige! Geht doch zur Seite, Heringpacker, Bäckerburschen, Nürnberger, Flickschneider und Vogelfänger! Tritt ab, Herr Aufpasser oder Abpasser oder was sonst für eine Kaidohle du bist! – Helft dem Blinden mit der Leier auf die Beine! – Knuff ihn zur Seite! – Gib ihm aufs Maul! – Herein mit dem goldbetreßten Herrn und seinen Bären, die Polska tanzen! Sieh, Susanna, den drolligen Kerl mit Meerkatz auf der Achsel und Sackpfeife im Mund! – Trommler, haut auf die Trommeln! Der Harlekin tanzt und wirft die Beine in die Luft. – Frischauf, Burschen, das Faß geleert! – Trumpf auf den Tisch!Haltet den Dieb! – Der Lakai des Grafen setzt acht Schilling in den Pott. Acht Schilling auf die Jungfrau, zwei Schilling auf den Husaren. – Trumpf aufs Kreuz! – Da kommt Mowitz. – Acht und acht macht sechzehn, vier dazu, hab ich siebzehn. – Mehr Kreuz! – Sechs und sechs ist zwölf. – Hast du die Herz-Dame geschluckt? – Na! du hast gewonnen. – Sapperlot, wie du aussiehst, Mowitz! – Die Perücke kenn ich, die hat er vom Schuster geliehn, der in der Kohlmessergasse gegenüber dem Wismar wohnt. – Lustig! Baßgeige auf dem Buckel, Tulpe am Hut, Waldhorn unterm Arm und Buddel in der Tasche. – Steig ins Boot! – Was sagt der goldbeschlagene Apfeldeutsche mit der Meerkatz auf der Achsel? – Le diable, il porte son violon, oui, par dessus l’épaule comme le suisse porte la hallebarde. – Jetzt stößt er ins Waldhorn. – Prutt, prutt, prutt, prutt! – Ach, tu tummer Taifel! Er ferschteht sich auf die Musik wie ein Kuh auf den Mittag. Mowitz, Bruder, willstu was Kirschen haben? – Steig ins Boot, Susanna! Vorsicht mit dem Fleischkorb! – He, Schwesterchen mit den Lammleder-Handschuhn und dem Fischnetz, hüpf runter zu uns! Woher des Wegs? – Vom Wäschemangeln. – Legt ab! Legt ab! Legt ab! – Wohin geht es? – Zur Werft. – Le diable, oh que non. – Dit justement hvor jeg peger, hvor then lille mensch, then soldat med gule pexerne sitter i packen und beschteller. – Non, non, non, non, ce n’est pas là. – Richtich. Nå Djurgåln. – Oui, Djurgål, oui, Djurgål, oui par djävla besitta! – Mäster Nilses. – Gantz richtich. – He, stopf dem Krüger auf der Landungsbrücke das Maul! Dort steht er und schimpft auf den Musikanten. – Ah, il a peur d’être battu. Fripon! – Canaille! Hundsfott! Canaille! – Mäster Nilses? – Oui, que le diable t’emporte! – Wie hängt das zusammen? – Excusiren sie mich, das ist alles lapperey. Er sagt nur, der Kläger, daß er oftmals seine Bezahlung gefordert und daß es der andere nicht geachtet hat, sondern ihm allezeit mit Schmähworten begegnet ist. – Hurra! Stoß ins Waldhorn! Susanna singt, die Winde spielen, und die Wellen schaukeln. Stoßt ab!

Corno. - - - Stolze Stadt,
Corno. - - - schimmerst matt,
vergessen ist dein Lärm,
dein Tosen und Geschwärm,
deine Türme, dein Schloß.
In das Horn, Mowitz, stoß! - - - Corno
Welle drängt, - - - Corno
Fähre krängt. - - - Corno
Vor Jachten und Schonern der Spanienfahrer schwenkt,
Brise weht, - - - Corno
Segel bläht. - - - Corno
Nach Cadix und Dublin er geht. - - - Corno

Petz, willst du Nüsse? – Geh nicht so nah an die Bären! – Stille! Die Nymphe singt und der Zephir begleitet ihre Stimme.

Corno. - - - Klang, es schoß!
Corno. - - - Königs Schloß,
zu Wolken entrückt,
das Auge still verzückt.
Im altehrwürdigen Tal
sieh das Arsenal! - - - Corno
Mauern, Sparrn, - - - Corno
Schildhaus, Karrn - - - Corno
und Luken und Lanzen, Flaggen und Fanfarn.
Von dem Wall - - - Corno
Donnerknall, - - - Corno
vom Berge Widerhall. - - - Corno

Die Wogen glänzen und glitzern; die kühlenden Böen erquicken. – Na, müde, Mowitz? – Zum Wohl! – Doch sieh hinüber zum Strand! Sieh, was für blau-gelbe und grüne Bilder im braunen Schatten des kieloben liegenden Schiffes! Die Hämmer der Zimmerer trommeln so schnell. Siehst du dort auf der Höhe das griechische Tempelchen? Und unten am Strand: was für ein Wald von schaukelnden Masten mit flatternden Wimpeln! – Sonne flimmert, Glocken bimmeln, Trommeln donnern, Fahnen flattern, Piken blinken und ein Glockenspieler klingelt und trillert. – Korken aus der Bouteille! Mowitz wirft Hut und Perücke in die Wellen und trinkt aufs Wohl der ganzen Welt. – Blast in die Hörner! Haltet still an den Riemen! Sing, Susanna!

Corno. - - - Ich verschmacht!
Corno. - - - Ulla lacht,
Sonnhut in der Hand
mit rosenrotem Band,
Brust mit grünem Bukett,
Rock mit Rüsche, kokett - - - Corno
und charmant, - - - Corno
schnürgespannt - - - Corno
lüpft hoch ihren Rock und hurtig hüpft an Land,
doch dabei - - - Corno
riß, o wei, - - - Corno
ihr Schürzlein mittenzwei. - - - Corno

Corno. - - - Wehgeschrei!
Corno. - - - Laß mich frei,
in Eile bin ich doch,
zum Schlachthaus muß ich noch,
und nun sitze ich hier,
bang ums Herze ist mir. - - - Corno
Der Transport - - - Corno
ist bald dort. - - - Corno
Halt stille und nimm die Rose mir nicht fort!
Eher geh, - - - Corno
ich, Monsieur, - - - Corno
in diese tiefe See. - - - Corno