Fredmans Episteln, Nr. 31

Von einem Saitensprung, der Mowitz Prügel einbrachte, an einem Sommerabend 1769.

Sieh Mowitz, so matt und benommen,
geschwollen und schorfig von Blut?
Die Tür auf! Herr Bruder, willkommen,
leg ab deinen Mantel und Hut.
Noch leben ja deine Patrone,
vergiß deinen Kummer und tön
pong pongtuli pongtuli – schön,
komm, spiel Violone!

Zum Wohl! Leer dein Glas bis zum Boden
und labe dich, Mowitz, wohlan!
Der Branntwein mit Gold und Kleinoden
veredelt uns Zunge und Zahn.
Doch hast du nicht Fieber? – Was weiter? –
Na, dann tut der Fusel nicht wohl.
Pong pongtuli pongtuli – Kohl!
Mokiert euch nur heiter!

Ist ’s Aug ausgekratzt? – Keine Rede!
Das Pflaster laß sitzen, du Hund.
Du weißt wohl, wie jüngst bei der Fehde
ich kämpfte im Krug Gröna Lund.
Kristallklaren Grog her, ’ne Lage!
Fahr Schnaps auf und sauf oder rauf!
Pong pongtuli pongtuli – Auf
dein’n Schädel ich schlage.

Daß Unruh und Angst dich nicht quäle,
so öffne den Freunden dein Herz.
Setz auf die Perücke, erzähle,
wer gab dir den Tritt in den Sterz?
Und konntest du dich denn nicht wehren
und rauftest so plump wie ’ne Sau?
Pong pongtuli pongtuli. – Schau,
ich will dir ’s erklären.

Achtundzwanzigster Juli, dies Datum
vergesse ich nie, malefiz,
schon morgens mir schwante mein Fatum
bei Sauwetter, Donner und Blitz.
Es war, wenn ich recht mich besinne,
der dreißigste. – Ja, ich versteh. –
Pong pongtuli pongtuli – Weh,
unselige Minne!

Am nämlichen Abend ich sehe
’ne Nymphe mit wehendem Flor,
und gleich bei der Schönen ich stehe:
Wo wohnst du? Sie sagt mir ’s ins Ohr.
Die Gasse heißt... ich spekuliere...
ach ja, Göran Helsinges Gass’...
Pong pongtuli pongtuli – Was?
Ihr kennt die Quartiere?

Ich trug meine Geige am Rücken
und folgte ihr hinkend und bebt’.
Den Flor im Gesicht ob der Mücken,
sie in ein Gewölbe entschwebt.
Und just, wie die Schöne ich suchte,
stand da ein baumlanger Trabant,
pong pongtuli pongtuli – stand
und tobte und fluchte.

Laß los! schrie er, ich ließ die Nymphe
und lustig ’ne Ohrfeige fing.
– Du Hund, zupf! – Ich zupfe und schimpfe,
da capo noch mal so ein Ding!
Derweilen beginnt er zu reißen
am Rock meiner Schönen, erbarm!
Pong pongtuli pongtuli – Harm
im Herzen, dem heißen!

So mußte ich spielen und brummen,
mit Baß patrullieren, wie dumm!
Und wie ich die Quinte laß summen,
da reißt sie und schmeißt mich fast um.
Fahr, Teufel, in blau-gelbe Drachen,
und du fahre Schnaps auf! Ich sauf
pong pongtuli pongtuli – drauf.
Nun kennt ihr die Sachen.

So macht er mein Liebchen sich eigen
und schimpft einen Bierfiedler mich,
es hageln und prasseln Ohrfeigen
und pfeifen wie Kugeln im Krieg.
Da hast du, so schreit er, Canaille,
Revanche für die Quinte, die sprang!
Pong pongtuli pongtuli – Klang!
Pfui, welche Bataille!

*) Anm. d. Übers.:

Der lateinische Satz besagt: “Nur wegen eines Punktes verlor Robertus Asello.” Bellman spielt hier auf einen Vorfall im Kloster Asello an. Dort stand über der Pforte ‘Porta patens esto. Nulli clauderis honesto’:
“DIE PFORTE STEHE OFFEN . KEINEM EHRBAREN SOLLST DU SIE VERSCHLIESSEN”.

Nun erlaubte sich der Abt Robertus den Scherz, durch Versetzen des Punktes hinter das Wort ‘nulli’ (‘keinem’) den Sinn ins Gegenteil zu verkehren:
“DIE PFORTE STEHE OFFEN KEINEM . EHRBAREN SOLLST DU SIE VERSCHLIESSEN.”

Als der Papst davon erfuhr, setzte er Robertus ab.

So wie Robertus für eine geringfügige Verfehlung zu büßen hatte, wurde auch Mowitz für einen unbedeutenden Fehler bestraft: Nur weil die Quinte auf seiner Baßgeige riß, mußte er Prügel einstecken.

Quelle: StU I, Komm. S. CIV