Fredmans Episteln, Nr. 30

An Vater Mowitz während dessen Krankheit,
der Schwindsucht.

Trink aus dein Glas, der Tod schon deiner harret,
schleifet sein Schwert, steht in der Tür im Nu.
Sei nicht erschreckt, die Grabestür nur knarret
und fällt vielleicht in einem Jahr erst zu.
Mowitz, die Schwindsucht, die zieht dich zu Grabe.
V:cllo. - - - Zupf die Oktave,
stimm deine Saiten, sing vom Frühling du! :||:

Gelb ist die Haut, matt blühen deine Wangen,
Brust eingedrückt und Schulterblätter platt.
Zeig deine Hand! Die Adern gleichen Schlangen,
blauschwarz und dick und triefend wie im Bad.
Hände geschwollen, die Adern sind steife.
V:cllo. - - - Zupfe und greife!
Trink deinen Korn! Besing die Roggensaat! :||:

Himmel, du stirbst! Dein Husten mich entsetzet,
dumpf widerhallt der Lunge hohler Laut,
Zunge ist weiß, das Herz von Angst gehetzet,
weich wie ein Schwamm sind Sehnen, Mark und Haut.
Atme! Welch Dunst, pfui, entsteigt deiner Asche.
V:cllo. - - - Leih mir die Flasche,
Mowitz, zum Wohl! Prosit mit Bacchi Kraut! :||:

Aus seinem Kelch ist dir dein Tod geflossen.
Bei Sang und Spiel war unbemerkt er da.
Ja, dieses Glas auch Kummer hielt umschlossen,
glühende Würmer ich darinnen sah.
Alles verzehrt? Na, was kann es dich härmen?
V:cllo. - - - Brennt ’s in den Därmen?
Kannst du noch rufen Prosit? Prost? – Ja! Ja! :||:

Ein letztes Prost! Dein Bacchus dich belebet,
Freia dir winkt und dich zu sich noch zieht.
Zu ihrem Lob dein letztes Blut erbebet,
das mit Gewalt aus deinen Adern flieht.
Singe und bete, ergründe und weine!
V:cllo. - - - Willst du noch eine
Wegzehrung, Mowitz? Stirbst du? – Nein! Prosit! :||: