Fredmans Episteln, Nr. 22

An die Neusiedler im Gröna Lund.

Die teuersten Gaben werden oft von der spielenden Natur ausgestreut unter dem mildesten Himmel, während die Sterblichen ihre bleichen Wangen nicht mit dem Purpur zu schmücken vermögen, den die leuchtenden Blumen in der Morgenstunde ausbreiten. Man sieht eine Schönheit ihre Perlen in gischtende Fluten werfen. Was? Werfen sage ich? Ja, mit schneeweißen Fingern, die mit den orientalischen Perlen um Glanz wetteifern. Die goldenen Fische in China steigen in schwefelgelbem Dampf aus berlinerblauen Reusen auf, die mit rosenroten Quasten befestigt sind. Und die Schnitter auf den Äckern in dem reichen Indien können in ihren kleinen glänzenden Jacken mit den violetten Silberähren verglichen werden, die von ihren Achat-Sensen gemäht werden. Die Trinkgefäße an den plätschernden Bächen sind hoch in Kastanienbäumen aufgehängt an kunstvoll gewirkten Vorhängen. Hirtinnen, in feinem Leinen und Gingang und mit Sonnenhüten aus Perlmutt, schaukeln in Pommeranzbäumen und erfüllen die Luft mit ihren entzückenden Stimmen. Dort, geliebte Brüder, kostet ein Glas von des Großmoguls Abendfusel circa fünf Zwölftel schwedische Halb-Öre. Und von dem kaiserlichen Ameisenbranntwein, den die fremden Gesandten bei der Verabschiedung empfangen, bekommt man für einen Heller so viel, geliebte Brüder, daß die

Gläser schwanken vor dem Munde.
Halt sie, gib sie deinem Schlunde!
Kaiser schmeißt im Krug ’ne Runde
jede Tagesstunde.
Huile de Venus und persico
wachsen im schattigen Grunde.

Das ist ja der Teufel selber, meine geliebten Freunde!

Er hat scharlachrote Roben,
weißen Latz, und sitzet oben.
Gläser werden hoch gehoben,
Majestät zu loben.
Kaiser putzt Glas mit dem Latze; so
ist Seine Hoheit verschroben! - - -

Geliebte Brüder, die teuersten Gaben werden oft auch heute noch von der spielenden Natur ausgestreut. Prosit! Trinkt mir zu!