Epistel 2

Glimmende Nymph, blitzende Augen,
schwebendes Bild auf Polstern und Daunen!
Komm, linde Stärke,
zum liebenden Werke,
Gott des Schlafes, Morpheus, komm!
Kerze schmolz und Docht verglomm.
Luken und Tür verriegelt bis morgen,
und deine Stirn im Häubchen verborgen,
und Norströms Zopfperück
vom Wirtshaus schon zurück.
Schlaf, schlafe ein bei meiner Musik! :||:

Buchfink verstummt beim Abendliede.
Cajsa, es naht der nächtliche Friede.
Sonn ist vergangen,
der Himmel verhangen,
und der Hauch der Stille weht,
da in Freias Fron ich tret.
Platzregen stürzt in wallenden Wogen,
wölbt himmelhoch den brandgelben Bogen
wie eine bunte Schnur
aus Grün und Gold, Purpur.
Jofurs Blitz zur Erde fuhr. :||:

Schlaf, meine Nymph, lausch meiner Leier!
Um vier entfacht die Sonne ihr Feuer,
wirst du dich recken,
Arme ausstrecken
nach meiner Kanne, meinem Arm,
durch mein Blut erhitzt und warm.
Cajsa, du stirbst! Himmel, sie atmet!
Tod ist Geburt, und Lust ist ermattet,
dein Puls schlägt froh und sacht,
bis neu der Tag erwacht,
Leier, halt ein! Gut Nacht, gut Nacht! :||:

Übersetzung: Klaus-Rüdiger Utschick