Nya Wermlands-Tidning, 19 August 2000

Fröding ins Deutsche übersetzt

Klaus-Rüdiger Utschick fand den Weg zu Fröding durch Bellman.

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Gustaf Fröding, geboren auf dem Gutshof Alster außerhalb von Karlstad, starb, wenig über 50 Jahre alt, in einer Villa auf Djurgården in Stockholm. Er ist eins der lyrischen Genies der schwedischen Literatur. Diesen Dienstag feiern wir seinen Geburtstag. Gustaf Fröding wird 140 Jahre alt.

Die Gustaf-Fröding-Gesellschaft trifft sich an diesem Feiertag am Standbild des Dichters in der Fußgängerzone im Zentrum von Karlstad. Mitglieder der Gesellschaft werden Gedichte vorlesen, die von den Zuhörern gewünscht werden, und auch “drei trällernde Mädchen“ vom Sundsta-Älvkulle-Gymnasium werden zur Statue des Dichters kommen, um ihm zu huldigen.

Diese Geburtstagsgratulation ist der Auftakt zu den Fröding-Tagen am nächsten Wochenende. Nya Wermlands Tidning wird Fröding in den nächsten Tagen mit einigen Artikeln und Reportagen feiern.

Der erste Artikel handelt von Klaus-Rüdiger Utschick, der Fröding, Bellman und Ferlin ins Deutsche übersetzt hat.


GUSTAF FRÖDINGS Verbindungen zu Deutschland beschränkten sich nicht ausschließlich auf die deutsche Literatur, nicht nur auf Goethe, Schiller und Heine. Eine entscheidende Phase seines Lebens verbrachte Fröding in Deutschland, in einem Sanatorium in Görlitz. Dort stellte er das Material zu seinem Erstlingswerk Gitarre und Ziehharmonika zusammen.
   Trotz seiner vielen, engen Kontakte zu Deutschland ist Fröding dort kaum bekannt. Einer der Gründe dafür ist die Schwierigkeit, seine Gedichte ins Deutsche zu übersetzen. Freilich sind im Laufe der Jahre Versuche gemacht worden, Frödings Poesie in ein deutsches Gewand zu kleiden. Den bisher letzten und vielleicht am besten geglückten Versuch hat Klaus-Rüdiger Utschick unternommen, Lehrer, Verleger, Schweden-Enthusiast und Übersetzer aus München.


ES WAR BELLMAN, der Klaus-Rüdiger Utschick auf Frödings Spuren gebracht hat.
“Vor einigen Jahren begann ich, Bellman zu übersetzen“, erklärt er in perfektem Schwedisch, einem Schwedisch, das er geschliffen und poliert hat seit seinem ersten Besuch in Schweden vor fast 40 Jahren. Oh ja, er hat Bellman übersetzt. Alle Episteln und Gesänge und die religiöse Dichtung. Dar­aus wurden drei schöne Bände mit wunderbaren Übertragungen und vielen, vielen Bildern.

Na ja, sagt er ein wenig verlegen. Aber dann gibt er zu, daß die Schwedische Akademie von seiner Arbeit nicht unbeeindruckt war. 1995 erhielt er ein Stipendium und einen Sonderpreis von der illustren Gesellschaft.


VON BELLMAN ZU FRÖDING war der Weg nicht allzu weit. Nicht für jemand wie Klaus-Rüdi­ger Utschick, der schwedische Liedlyrik liebt und musikalisch genug ist, sie selbst zu singen und zu spielen. Übrigens, daheim in München kam er beim Singen von Bellmans Liedern im Originaltext zu der Überzeugung, daß gute deutsche Übersetzungen “her müssen“.

Von Gustaf Fröding hat Klaus-Rüdiger Utschick 58 Gedichte übersetzt. Herausgebracht hat er sie voriges Jahr in dem kleinen Anacreon-Verlag, den er und seine Frau Ursula 1997 in München gegründet haben, einem Unternehmen, das wenig einbringt und das von der Liebe zur Literatur getragen wird. Und von der Liebe zur schwedischen Sprache!

Beide teilen diese Liebe zu Schweden, seiner Sprache und seiner Literatur. Jedes Jahr verbringen sie einen Sommermonat in Schweden.


IST FRÖDING SCHWER ZU ÜBERSETZEN?   “Ja, natürlich! Aber es ist eine Arbeit, die man mit großem Enthusiasmus auf sich nimmt“, erklärt Klaus-Rüdiger Utschick. Gedichte zu übersetzen ist eine Arbeit, die das Verlangen nach mehr hervorruft.

“Es ist fast wie eine Sucht!“ bricht es aus ihm heraus. “Hat man einmal angefangen, fällt es schwer aufzuhören.“

Aber es gibt wohl kaum ein so unschuldiges Bedürfnis wie dieses: Das Werk eines großen Dichters in eine andere Sprache zu übertragen.


GUSTAF FRÖDING müßte in Deutschland eigentlich viel bekannter sein, findet der Übersetzer des Dichters. Frödings Dichtung ist so nahe mit der deutschen Poesie verwandt. Fröding knüpft an die deutsche Romantik an, sagt Klaus-Rüdiger Utschick.

“Und man kennt eigentlich die Romantik nicht, wenn man Fröding nicht kennt.“ Ursula nickt zustimmend und fügt hinzu: “Fröding spricht zum Herzen.“

Wie klingt Fröding denn nun auf Deutsch, in Klaus-Rüdiger Utschicks Übersetzung? Wählen wir ein sehr bekanntes Gedicht, das auf Deutsch genau so heißt wie auf Schwedisch, nämlich: Schönes Wetter. Die erste Strophe lautet:


Über der Bucht war klarblauer Himmel,
rings die Glut des Gesteins,
und bei Haga hörte man bimmeln
Mittagsglocken um eins.
Wie eine Braut stand Brunnskogs Kirche,
zeigend hold ihre Gunst,
und bei Berga über Birken
wie der Flor am Hut eines Fräuleins
schwebte der Wolkendunst.


ES GIBT VIELE BEISPIELE für Klaus-Rüdiger Utschicks Fähigkeit, Frödings geniale Wortmusik nachzuschaffen. Seine Musikalität spielt natürlich eine wichtige Rolle, ebenso sein sprachliches Geschick und seine Selbstkritik.

“Eine Stelle, die ich unpassend oder schlecht übersetzt habe, macht mir Unbehagen“, sagt er leise.

Die Utschicks führen den Verlag gemeinsam, aber die Übersetzung von Frödings - wie auch von Bell­mans - Poesie ist Klaus-Rüdigers Sache. Seine Frau hat u. a. die wunderbare Bellman-Biografie des Engländers Paul Britten Austin ins Deutsche übersetzt.


NACH BELLMAN UND FRÖDING geht es weiter mit Ferlin. Nächstes Jahr gibt Klaus-Rüdiger Utschick eine Gedicht-Sammlung des nach Fröding beliebtesten schwedischen Poeten heraus.

Unterdessen werden die Utschicks versuchen, die Fröding-Anthologie auf den Markt zu bringen. Eine bescheidene Auflage, die nicht gerade für eine große Nachfrage in Deutschland spricht.

Aber vielleicht kann das Buch “Schilf, Schilf, rausche“ - 185 Seiten, zum Preis von weniger als 40 Mark - dazu beitragen, Fröding in dem Land bekannt zu machen, in dem er einige seiner bekanntesten Gedichte schrieb.

MATS DAHLBERG