Nya Wermlands Tidning, Donnerstag, 25. September 2003
 

Ferlins Gedichte auf Deutsch

Übertragungen – gesponsert von den Inhabern des Copyrights und von Svenska Institutet – werden Ferlin absolut gerecht

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Hält lange. Klaus-Rüdiger Utschick hat Gedichte von Nils Ferlin ins Deutsche übersetzt. Der Druck ist besonders haltbar.


Aus dem Briefkasten grabe ich ein Buchpaket aus Deutschland hervor. Klaus-Rüdiger Utschick hat ein Exemplar von Im Labyrinth des Lebens geschickt, ein Buch mit ausgewählten Gedichten von Nils Ferlin.
    Übersetzer ist der Absender selbst, der zusammen mit seiner Frau Ursula den Anacreon-Verlag betreibt.

    Die Auswahl von Ferlins Gedichten ist vor einiger Zeit in einer kleinen Probeauflage herausgekommen, mit all den kleinen und nicht so kleinen Fehlern, die einer Probeauflage so zu eigen sind.
    Doch nun sind die Fehler beseitigt, teilt Klaus-Rüdiger Utschick in seinem Begleitschreiben mit.
    Außerdem ist die Technik, in der das Ferlinbuch gedruckt wurde, so gut, daß der Druck ausgesprochen haltbar ist. In Deutschland wird man Ferlins Gedichte noch lesen können, “wenn man den 500. Geburtstag des Dichters feiert, also im Jahre 2398”, verspricht der Übersetzer und Verleger.
    Das kann man nur hoffen. Denn Klaus-Rüdigers Übertragungen – gesponsert von den Inhabern des Copyrights und von Svenska Institutet – werden Ferlin absolut gerecht.
    Ein inhaltsreiches Vorwort von Knut Warmland, dem intimen Kenner von Ferlins Dichtung, gibt dem deutschen Leserkreis den biographischen Hintergrund und den literarischen Rahmen für Ferlins Dichtung.
    Daneben enthält der Band auch “Ein Selbstportrait”, von Ferlin im Jahr 1937 gezeichnet.

    Klaus-Rüdiger und Ursula Utschick besitzen einen großen, bewundernswerten Enthusiasmus.
    Den muß man wohl haben, wenn man Bellman, Fröding, Ferlin und Olof von Dalin in deutscher Übersetzung herausgibt.
    Doch auch der am hellsten glühende Enthusiasmus reicht nicht aus für solche Aufgaben. Nur außerordentliche Sprachkenntnisse können ihnen gerecht werden. Klaus-Rüdiger Utschick besitzt diese Kenntnisse.
    Die Schwedische Akademie sollte eigentlich den Eheleuten Utschick je eine Medaille verleihen für ihre hingebungsvolle Arbeit mit “snille och smak” - mit Geist und Geschmack (wie das Motto der schwedischen Akademie lautet). Und mit nicht unbedeutendem Wagemut!

    Das Schöne an Utschicks Ferlin-Übertragung ist, daß die “Wortmusik”, von der Knut Warmland in seinem Vorwort schreibt, immer als echt empfunden wird, sie ist vollkommen frei von Stolpersteinen, die eine Übersetzung dem Leser in den Weg legen kann.
    Ein Grund dafür ist, daß die deutsche und die schwedische Sprache einander verhältnismäßig nahe sind.
    Aber das reicht nicht. Unverzichtbar ist auch eine sehr hohe poetische Begabung des Übersetzers.
    Wie in dem Gedicht “Im Volksliedton”, dessen erste Strophe auf Deutsch so lautet:

Liebe wandert und Liebe besteht,
keiner versteht ihr Betragen.
Doch dir will ich folgen, wohin es auch geht,
in allen Lebenstagen.


Mats Dahlberg