<1285479115>
Trug Bellman einen Pferdeschwanz? Diese Bezeichnung von Bellmans Zopf in Ernst
Brunners Bellman-Roman wird in einer Rezension bekrittelt: Wie vertraut Brunner
die Kultur- und Sozialgeschichte des 18. Jahrhunderts ist, mag pars pro toto der
Pferdeschwanz verdeutlichen, den sich Bellman bei ihm immer mal wieder
umbindet das 18. Jahrhundert war ja schließlich das bepferdeschwanzte, nicht
wahr? In der Originalfassung des Romans steht auf S. 103: Här band
jag om min hästsvans och stämde citrinan. In der deutschen Ausgabe auf S. 111:
Hier band ich meinen Pferdeschwanz neu und stimmte das Cithrinchen. Es ist die
einzige Stelle, wo der Zopf der Perücke so bezeichnet ist, vom Umbinden ist
aber nirgends die Rede. Der Perückenzopf hieß hästsvans, weil er wie ein
Pferdeschwanz geflochten und geknotet war. Die verschiedenen Berufsstände, etwa Offiziere
oder Sekretäre, waren äußerlich unterscheidbar durch Form, Länge, Flechtung und
Knotung dieses Zopfes (siehe www.shenet.se/ravaror/harhistoriaperuk.html; alle
entsprechenden Stellen im Bellman-Roman findet man durch Eingabe von
Zopf oder Perücke in
www.bellmangesellschaft.de/bellman/textsuche.html). Der junge Poet Bellman, Volontär ohne
Gehalt bei der Reichsbank, trug einen scharlachroten Sekretärsmantel und eine
standesgemäße Zopfperücke. Wenn er nun, in einer deutschen Romanausgabe sozusagen
deutsch sprechend, seinen Zopf einmal nicht als Zopf, sondern bildhaft als
Pferdeschwanz bezeichnet, dann ist dieses Detail der Romanfiktion
kulturhistorisch wohl nicht zu beanstanden. (Die Rezension von Stefan Opitz und meine
Replik siehe http://www.bellmangesellschaft.de/bellman/rezensionen.htm.)
26.9.2010, Klaus-Rüdiger Utschick, München
<1285479015>
Hat Carl Michael Mamsell Josefa flachgelegt? Dieser Ausdruck in der
deutschen Ausgabe von Ernst Brunners Bellman-Roman wird in einer Rezension mißbilligt:
Ein Ich-Erzähler des 18. Jahrhunderts legt niemanden flach (im Original slå
ikull, also etwa übereinander her purzeln). Bellman verwendet slå i
kull immer mit Objekt: jemanden umwerfen, zu Boden werfen
(z.B. Ep. 35 und 67). Die Bedeutung purzeln, zu Boden fallen
drückt er anders aus, mit falla kull, ramla kull, dimpa (i)
kull oder, wenn Trunk im Spiel ist, vorzugsweise mit ragla kull,
tumla kull. Bei Brunner, der in seinem Roman der Sprache Bellmans und seiner
Zeit nachspürt, lesen wir auf Seite S. 104: Jag låser dörren med rigel och vill
slå i kull mamsell Josefa... In der deutschen Ausgabe auf S. 112: Ich
verriegele die Tür und will Mamsell Josefa flach legen ... So drückt sich auch
Movitz aus, in der letzten Strophe von Ep. 67. Die Sprache seiner Epistelfigur könnte
sehr wohl gelegentlich die Sprache des jungen Bellman im privaten Umgang gewesen sein. Aus
der Tatsache, daß Bellman viele seiner Briefe mit Movitz unterzeichnete,
können wir schließen, daß Bellman dieser Figur zu einem gewissen Grad autobiographische
Züge gegeben hat. Einen Hinweis darauf gibt eventuell auch Epistel 30 an Vater
Movitz während dessen Krankheit, der Schwindsucht, an der ja Bellman erkrankte,
nicht aber Movitz, der 1781 im Alter von 60 Jahren einem Gallensteinleiden erlag. Der
Auffassung des Rezensenten, daß ein Ich-Erzähler des 18. Jahrhunderts eine Mamsell nicht
flach legt, kann ich beinah bedenkenlos zustimmen; als Ausnahme sehe ich
Bellman, dem in seinen früheren Jahren häufig Verstöße gegen den guten
Geschmack zur Last gelegt wurden. Auch hier schlüpft Brunner mit feinem Gespür in
die Haut von Bellman: Je weiter man Bellmans Leben in dem Roman verfolgt, desto seltener
wird man solche Verstöße finden. Der monierte Ausdruck ist gleichwohl harmlos im
Vergleich zu manchen weit frivoleren Zeilen, etwa in Epistel 48: Och min Ulla, blek
och sjuk, / lät sin kjortel falla, / klev så bredbent i paulun; / Movitz efter med
basun: / ... (Meine Ulla, bleich wies Grab, / läßt ihr Röcklein
fallen, / steigt gespreizt in Bett und Daun, / nach ihr Movitz mit Posaun: / ...).
Der Dichter Kellgren, einst der schärfste Kritiker Bellmans und im Jahre 1790 sein
uneigennütziger Berater bei der Herausgabe der Episteln, hatte keine Einwände gegen
diese aus dem Jahre 1772 stammende Epistel; nur eine Zeile in der 3. Strophe wurde einer
Reinigung unterzogen. (Die Rezension von Stefan Opitz und meine Replik siehe
http://www.bellmangesellschaft.de/bellman/rezensionen.htm)
26.9.2010, Klaus-Rüdiger Utschick, München
<1259681374>
Nannte sich Bellman als Dichter anders? Noch eine zweite Antwort. In
einem Telefonat mit Hans-Peter Riermeier kamen wir auf die Frage nach Bellmans angeblichem
Pseudonym zu sprechen, und Hans-Peter fragte zurück: Hat da vielleicht wieder mal jemand
Bellman mit Fredman verwechselt? Ich befürchte: ja! Deshalb hier noch ein Nachtrag zu
meiner vorherigen Antwort: Die einzige Person aus Bellmans Fredman-Epos, welcher der
Dichter Züge seines Ichs verlieh, war - wie gesagt - Movitz. Fredman hingegen war kein
Alter Ego, und Bellman identifizierte oder bezeichnete sich in keinem einzigen Fall als
Fredman. Mehr darüber kann man lesen bei Søren Sørensen: Bellman und Fredman -
eine 200jährige Verwechslungskomödie, 1999 erschienen bei Anacreon in dem Heft
Beiträge zu Bellman, wo sich auch mein oben angesprochener Beitrag
Bellman über sich und in eigener Sache findet; das Heft ist leider
vergriffen.
1.12.2009, Klaus-Rüdiger Utschick, München
<1259522435>
Nannte sich Bellman als Dichter anders? Es ist sicherlich eine
übertriebene Behauptung, Bellman habe sich als Dichter anders genannt. Er signierte seine
Gedichte oder Briefe normalerweise mit Carl Mich. Bellman oder
CMB. Richtig ist aber, daß Bellman in den späteren Jahren seine
(Vers-)Briefe gelegentlich mit Movitz unterschrieb, etwa einen vierzeiligen
Versbrief, den am 30. Juni 1794 in der Schuldhaft schrieb. Das hat folgenden Hintergrund:
Bellman schlüpfte oft in verschiedene Rollen, wenn er als Dichter auftrat, z.B. Olaus
Dumgren oder Christian Wingmark. Bellman, der nach nur 1 Semester sein Studium in Uppsala
abbrechen mußte, schrieb später darüber ein Lied: Movitz skulle bli student
(Fredmans Sång 28). Er sah den künstlerisch begabten Fredrik Movitz gern als sein Alter
Ego. Möglicherweise ist auch die Epistel 30 ein Hinweis darauf, daß Bellman sein eigenes
Ich auf Movitz projizierte. Die Epistel handelt von dem schwindsüchtigen todkranken
Movitz. Doch nicht Movitz hatte Lungenschwindsucht, wohl aber Bellman. Mehr über das
Thema findet man z.B. in Bellman über sich und in eigener Sache auf
anacreon.de/bellman/autobiografie.htm.
29.11.2009 , Klaus-Rüdiger Utschick, München
<1259501016>
Heute morgen im mdr-figaro beim Sonntagsraten lautete eine Frage: Carl
Michael Bellman, schwedischer Nationaldichter, der in der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts lebte und wirkte, nannte sich als Dichter anders. Wie? Da habe ich nun
gar keine Ahnung und finde auch im Internet gar nichts. Selbst auf einer schwedischen
Seite habe ich mich schon versucht...! Nun die Frage an die afficionados: Wie nannte er
sich denn? Ich bin ja nun sehr gespannt und hoffe auf Antwort! Danke im Voraus!
29.11.2009 , Gudrun Ehrhardt, 29221 Celle
<1228352769>
So trolln wir uns ganz fromm und sacht - eine Übersetzung? Zuckmayers
Gedicht beginnt mit den Zeilen: So trolln wir uns ganz fromm
und sacht / von Weingelag und Freudenschmaus, / wenn uns der Tod ruft: Gute Nacht, / dein
Stundenglas rinnt aus. / ... Diese Zeilen wie auch der Refrain des Zuckmayer-Liedes
stimmen mit Bellmans Tischlied, Fredmans Gesang Nr. 21 sehr genau überein, und es hat ja
auch die Metrik und die Melodie des Bellmanliedes. Auch die Stimmung und die verwendeten
sprachlichen Bilder weisen deutliche Übereinstimmungen auf. Hat Zuckmayer also eine
Übersetzung gefertigt? Nein. Bellmans Lied ist gegenüber der dreistrophigen
Zuckmayerschen Fassung erheblich umfangreicher. In den acht Strophen werden nacheinander
angeprangert: das Großmaul, der Geizhals, der Eifersüchtige, der Karrieremacher, der
undankbare Sohn, der feige Krieger, der eifernde Priester, der Heuchler und schließlich
der Schlimmste von allen: der undankbare Gast. Dem soll man den Krug von den Lippen
reißen und ihn samt Anhang hinauswerfen! Die letzte Strophe schließt mit der
Aufforderung an die Schmausenden, dem Wirt zu danken und die Wirtin zu ehren och
halkom sen i graven fritt vid aftonstjärnans bloss (und hinken frei ins Grab
hinein im Licht des Abendsterns) --- Zuckmayers Gedicht ist also keine Übersetzung,
vielmehr eine famose Variation über ein Thema von Bellman.
4.12.2008 , Klaus-Rüdiger Utschick, München
<1227396262>
Bellmans Gedicht über seinen ersten Rausch. Das Gedicht Jag kom
hem så röd och skön ... findet sich in der 'Levernebeskrivning', abgedruckt in
Standardupplagan Band 12, Seite 16 ff. Der Band enthält 'Dikter till Enskilda' ('Gedichte
an einzelne'). Bellman verfaßte diese Memoiren 1794 in der Schuldhaft im Schloß auf
Bestellung seines Hausarztes Dr. Blad.
23.11.2008 , Klaus-Rüdiger Utschick, München
<1227367666>
Zu untenstehender Frage habe ich eine MP3-Datei auf die Datenseite geladen.
22.11.2008 , Walter Barth, Leinfelden-Echterdingen
<1227366857>
Auf einer LP der Theaterinitiative Wiesbaden ist ein Gedicht in der Übersetzung
von Adolf von Winterfeld, in dem Bellman seinen ersten Rausch im Alter von 19 Jahren
beschreibt. Weitere Angaben zu dem Gedicht sind weder auf LP noch auf der Hülle zu
finden. Ich suche nach dem Titel des Gedichts bei v. Winterfeld und/oder bei Bellman.
22.11.2008 , Walter Barth, Leinfelden-Echterdingen
<200761314737>
Warum wurden Fabeln geschrieben? Eine Fabel ist ein kurze unterhaltsame
Erzählung, die eine Lehre vermittelt; kurz gesagt: eine witzige Erzählung mit kluger
Pointe, noch kürzer: ein kluger Witz. Oft sind die Begebenheiten der Fabeln in das
Tierreich verlegt. Nehmen wir das Beispiel von Lafontaines Fabel Der Rabe und der
Fuchs. Ein Fuchs sieht auf einem Ast einen Raben, der einen großen Käse im
Schnabel hat. O wie prächtig ist Euer schwarzes Federkleid! sagt er.
Wenn Ihr ebenso schön singt, wie Ihr ausseht, dann seid Ihr gewiß der König
dieses Waldes. Der Rabe, überaus geschmeichelt, öffnet den Schnabel, um zu singen
und der Käse fällt herunter. Der Fuchs schnappt ihn und sagt: Merkt Euch:
Der Schmeichler lebt von der Eitelkeit anderer! Diese Lehre ist wohl einen Käse
wert! Bellman hat selbst keine Fabeln geschrieben, aber er hat
55 der 143 Fabeln von Chr. F. Gellert übersetzt. Warum? Im 18. Jahrhundert waren Fabeln
sehr populär, und Bellman, der sehr gute Deutschkenntnisse hatte, war ein großer
Bewunderer von Gellert; aber indem er die Fabeln übersetzte, veränderte er sie auch: Er
erhöhte die Dramatik der Erzählung und verkürzte die Belehrung.
13.6.2007 , Klaus-Rüdiger Utschick
<200761304755>
warum wurden fabel geschreiben 13.6.2007
Welche CDs sind zur Zeit erhältlich ... Nachtrag:
Inzwischen hat Proprius eine der drei Doppel-CDs Fredmans Epistlar nachpressen
lassen; doch besteht weiterhin Knappheit; schlechter sieht es nach wie vor bei
Fredmans Sånger aus.
12.4.2007 , Klaus-Rüdiger, München
<20071121295>
Welche CDs sind zur Zeit erhältlich und können von Bellman-Kennern empfohlen
werden, ich möchte die Lieder am liebsten im schwedischen Original hören. Wer kann mir
Tips geben, wo ich eventuell auch gebraucht etwas finde? (Frage vom Wiebke Hartmann) 1. Die Klassiker:
die Bellman-CDs von Fred Åkerström, Sven-Bertil Taube und Cornelis Vreeswijk (alle aus
den Sechziger und Siebziger Jahren) und von Mikael Samuelson (1988).
2. Die Standardauflage: die Proprius-Editionen aller Fredmans
Epistlar und Sånger mit allen Bellman-Sängern von Rang und Namen; beide Boxen sind
leider nicht mehr lieferbar, und Proprius zögert noch mit einer Neuauflage, doch hat der
Anacreon-Verlag noch einen begrenzten Vorrat der CDs.
3. Die Klassiker von morgen: Die Bellman-CDs von Martin Bagge und
Thord Lindé. Von den
Klassikern kann man bei www.skivhugget.com noch fast alle bekommen (Preise in
EUR, in Klammern): FRED ÅKERSTRÖM: Vila vid denna källa (12,53); Fred sjunger
Bellman (12,53); Glimmande nymf (12,53); Till Carl Michael (20,95 für 2 CDs).
SVEN-BERTIL TAUBE: Carl Michael Bellman (7,89). CORNELIS VREESWIJK: Spring mot
Ulla spring (12,53); Movitz Movitz (12,53). MARTIN BAGGE: Blåsen nu alla (17.59,
diese CD ist ansonsten vergriffen).MIKAEL SAMUELSON: Seine Bellman-Einspielung (die
man im Bellman-Museum auf der Insel Långholmen/Stockholm hört) ist nicht mehr
erhältlich, da heißt es in CD-Antiquariaten suchen!
12.1.2007 , Klaus-Rüdiger
Es gibt eine Kantate ...? Bellmans und Kraus' Ode zu Mozarts Tod ist
nun auf der Anacreon-Seite zu lesen und zu hören. Einfach Suchwort Mozart
eingeben!
29.11.2006 , Klaus-Rüdiger
Es gibt eine Kantate ...? Kraus und Bellman haben zum Tod von Mozart zwar keine
Kantate, aber immerhin ein 3-strophiges Lied geschrieben. Text und Melodie finden sich in
StU 11. Im Kommentar ist dort darüber zu lesen: Das von tiefer Ergriffenheit
getragene Trauerlied über Mozart bezeugt das Engagement, mit dem im Palmstedtschen
Kreis (u.a. Bellman, Kraus, Wikmansson, Åhlström) die Werke des Meisters gepflegt
wurden. Mozart verstarb am 5. Dez. 1791, aber Bellmans Ode ist wohl nicht frühestens
einen Monat danach entstanden. Sie scheint nämlich vor allem von einem gefühlvollen
Artikel über Mozart inspiriert zu sein, der am 5. Januar 1792 in Stockholms Posten
erschienen war. Darin wird ein Gedächtniskonzert in der Sankt-Nikolaus-Kirche in Prag mit
120 Mitwirkenden geschildert, angeführt von der bekannten Sängerin Frau Duscheck,
so vortrefflich aufgeführt, daß Mozarts Geist in Elysien davon ergötzt sein mußte.
[...] Drei Chöre, Pauken und Trompeten waren in gedämpftem Tone zu
vernehmen. (Ich werde Text und Melodie des Liedes in den nächsten Tagen
ins Netz stellen.)
28.11.2006 , Klaus-Rüdiger
Es gibt eine Kantate des schwedischen Komponisten Josef Martin Kraus (1756-1792)
Öfver Mozarts död, zu der Bellman den Text geschrieben haben soll. Wer weiß
Näheres; wo findet man den Text ?
27.11.2006 , Detlef Illemann, Gehrden
In der 73. Epistel geht Bellman ziemlich unsanft mit einer Lotta um ... (Antwort,
Teil 1) Es wird erzählt, daß Bellman sich einmal mit Rudermadamen auf dem Mälaren ein
Schimpfgefecht lieferte (siehe bei P. B. Austin und bei Ernst Brunner;
Textstellen siehe in der Textsuche unter dem Stichwort Rudermadam). Es war gewissermaßen
ein Wettkampf in der Kunst des Schimpfens, den Bellman mit Bravour bestand. Klar ist aber:
Bellman war ein großer Frauenverehrer. Und nichts konnte die Glut seiner Verehrung
abkühlen: Herr Gott! Ein Frauenzimmer, sei sie schön wie ein Engel oder häßlich
wie die Nyman, kann mir befehlen, ihre Füße zu küssen. (Levernebeskrivning,
zweiter Teil) Aber wen läßt Bellman da da so häßlich mit der Magd Lotta vom Krug
Rosendal schimpfen? Spute dich, Lotta, die Wände nun kehre, / beweg dich, du alte
Galeere! / Kerzen aufsammele, / Fenster verrammele, / Flitze, Canaille, / flink wie der
Blitz! / Rost in der Kehle? / Na, räuspre und nies! / Säubre die Stufe / und Mowitz nun
rufe! / ... Es ist vermutlich die Wirtin, die hier barsche Anweisung erteilt, das
Wirtshaus für das Erscheinen des Teufels herzurichten. Lotta wird hier nicht etwa
mit Billigung des Dichters beschimpft oder verunglimpft, sie muß lediglich der
Dramatik dieser Epistel ihren Tribut zollen. Über besagte Lotta ist meines Wissens nichts
weiter bekannt.
28.10.2006 , Klaus-Rüdiger
In der 73. Epistel geht Bellman ziemlich unsanft mit einer Lotta um ... (Antwort,
Teil 2) Ergänzende Bemerkung: Zu Bellmans Frauenbild sollte man sich auch Folgendes klar
machen: Bellman ist weit davon entfernt, Frauen zu idealisieren, im Gegenteil: er stellt
sie gewissermaßen ungeschminkt dar. Und wenn er ihre Schminke (FE 29, Strophe
3) oder den Vorgang des Schminkens (FE 36, Strophen 3 und 4) beschreibt, so tut er es,
weil die Dramatik es fordert. Und Bellman stellt nicht nur die Schönheit der Frauen dar,
sondern auch weniger attraktive Qualitäten, z.B. bei der Wirtin vom Thermopolium:
Beim Teufel, schau sie dir an! Blind, etwas gichtig, / Hintern gewichtig. / Räuspre
dich, Muhme! / Brumme, Dulcian! (FE 9) Die Wirtin vom Hahn läßt er von sich sagen:
Zwar im Frühjahr war / ich schon siebzig Jahr, / und hab schon graue Haar, / doch
rauf mit Kerlen noch ganz nett / und tummle mich gerne noch im Bett. / Sieh, mein draller
Arm, / meine Brust voll Haarn, / und fühl, wie ich bin warm! (FE 67) Und
Bellman verschweigt auch nicht die Gefahren und die Schrecken der Liebe, die Warnung vor
der Syphilis (Gib auf deine Nase acht: FE 48, Strophe 14) und vor dem Teufel
in Frauenkleidern (FE 67, Strophen 5 und 6)
28.10.2006 , Klaus-Rüdiger
In der 73. Epistel geht Bellman ziemlich unsanft mit einer Lotta um ... (Antwort,
Teil 3) Abschließende Bemerkung: Ganz allgemein kann man sagen, daß Bellman die
Wirklichkeit durchaus scharfsichtig sah und zeichnete: Bellman verschweigt auch
Mowitz und Ulla Winblads schwache Punkte nicht. Auf Ulla Winblads Heimreise von
Hessingen (FE 48) läßt er Fredman zu ihr sagen, als sie am Frauengefängnis und der
Salpetersiederei vorbeifahren: Dorthin Ulla, Schweinerei, / wirst du einst
geleitet. Und über sein alter Ego Mowitz spottet er: Mowitz wollte schweben /
fromm auf Amors heilger Bahn, / blieb an Witwe kleben, / wohlerprobt, erfahrn. / Mowitz
konnte leben / voll und faul von Stunde an; / ihn zu senken, heben, / brauchte es
nen Kran. / Als er nun versteh nicht fehl / wollt entflammen
seine Seel, / schlief er ein, ach, wie verdrießlich, / mißlich, / wie ein Bacchi
Zechgesell. Und auch die Freuden des Trunks, denen Bellman ja keineswegs abgeneigt
war, stellt er nicht ungetrübt dar, er zeigt auch dessen Schattenseiten: Beim
Humpen Bier und Schnäpsen klaren, / flattert deine Muse plump /... (FE 53). Zurück
zu Bellmans Frauenbild: Seine Verehrung für die Frauen war total; das hinderte ihn aber
nicht daran, über sie bisweilen genante Wahrheiten zu sagen und mit gutmütigem Spott zu
garnieren. Bei Bellman fügt sich oft das scheinbar Unvereinbare zusammen, gesellt sich
das Hohe mit dem Niedrigen und verbindet sich Schäferlyrik mit Wirtshauspoesie. Das hatte
Bellmans Dichterkollege Kellgren zunächst unbarmherzig kritisiert und später um so mehr
bewundert.
28.10.2006 , Klaus-Rüdiger
In der 73. Epistel geht Bellman ziemlich unsanft mit einer Lotta um. Angesichts der
Verehrung, die Bellman Frauen sonst entgegenbringt, wundert mich das immer wieder. Mir tut
diese Lotta jedesmal leid. Weiß jemand Genaueres über Lotta?
7.6.2006 , Felix, Münster
In welchem Bellman-Text kommt RAVAILLAC vor und was ist sein Thema? Es handelt
sich um ein Wortgefecht, in dem Meisner zu Trundman sagt: Du Norrcross, Damiens, du
Ravaillac, hola! (StU 4 Nr. 10: Zeremoniell bei der Parentation über Lundholm). Ich habe
diese Namen allerdings nicht in der deutschen Ausgabe des Stückes (S. 17) verwendet, da
sie den wenigsten Lesern bekannt sein dürften. Der Kommentarteil von StU 4 führt auf S.
134 aus: Ravaillac ist der bekannte Mönch François R. (* 1578), der am 14. Mai
1610 mit zwei Messerstichen Heinrich IV. ermordete und dann zum Tode verurteilt und
hingerichtet wurde.
29.6.2005 , Klaus-Rüdiger
In welchem Bellman-Text kommt RAVAILLAC vor und was ist sein Thema? Ich schreibe
ein Buch über franz. Lehn- und Fremdwörter in den verschiedenen Sprachen. Ein Wort
existiert in Schweden: RAVAILLAC, von einem Bellman Chanson. Kennen Sie diesen Text? Was
ist sein Thema?
29.6.2005 , Franck Resplandy
Welche besondere Bedeutung hat der Barbaratag für Bellman? ...und die
Bellman-Gesellschaft wurde auf Initiative von Patrick Wilkinson am Barbara-Tag 1999
gegründet. 5.5.2005 , Klaus-Rüdiger
Ich habe in einer Kritik gelesen, dass Bellman auch Opernlibretti geschrieben hat. Gibt es
Bellman-Opern? Bellman hat 3 Libretti geschrieben. Von Fiskarena und
Marcolphus haben wir aber nur die Texte einiger Arien und wenige Melodien, und
von Det lyckliga skeppsbrottet sind bis auf ein Gesangstück keinerlei
Melodien bekannt. Es gibt also keine Bellman-Oper.
18.3.2005 , Klaus-Rüdiger
Ich habe in einer Kritik gelesen, dass Bellman auch Opernlibretti geschrieben hat. Gibt es
Bellman-Opern?
18.3.2005 , Peter Traxler, Haar bei München
Welche besondere Bedeutung hat der Barbaratag für Bellman? Bellman erwählte die
heilige Barbara, die Schutzheilige der Grubenarbeiter und Artilleristen, auch zur
Schutzheiligen der Bacchusritter und den Barbaratag, 4. Dezember, zum Feiertag des
Bacchusordens. In seiner Ordensdichtung (StU4) und in Gedichten (StU17; insbesondere Nr.
39) nimmt er immer wieder Bezug auf Barbara und den Barbaratag. Bellmans Urgroßmutter
(farfarsmor) Barbara, geb. Klein, war nach der Familienüberlieferung eine
vollkommene Frau ohne irgendwelche schlechte Eigenschaften. Der Barbaratag ist
bis heute der Feiertag des Bacchusordens Par Bricole.
22.2.2005 , Klaus-Rüdiger
Welche besondere Bedeutung hat der Barbaratag für Bellman? 22.2.2005 ,
Walter Barth, Leinfelden-Echterdingen
PORTA PATENS ESTO. NEMINI CLAUDERIS HONESTO. Danke für den Hinweis, Günther
Weisensee! Also: Pforte du sollst offen stehen. Keinem Ehrbaren wirst du
verschlossen. Bellman war wohl ein besserer Lateiner als die Bellmankenner!
27.1.2005 , Klaus-Rüdiger, München
PORTA PATENS ESTO. NEMINI CLAUDERIS HONESTO. Die in verschiedenen
Bellman-Publikationen zu lesende Übersetzung Die Pforte soll offen stehen. Keinem
Ehrbaren sollst du sie verschließen bzw. Porten må stå öppen, du må icke
stänga den för någon ärbar ist nicht ganz richtig clauderis
ist Passiv Präsens du wirst verschlossen oder Futur du wirst
verschlossen werden. Der Witz dieser Episode bleibt davon aber unberührt: Nur weil
der Abt Robertus den Punkt hinter das Wort nemini (keinem)
verschoben und so den Sinn der Inschrift über der Klosterpforte ins Gegenteil verkehrt
hatte, verlor er sein Kloster Asello und wurde damit zum Vorläufer von Movitz, der
ebenfalls wegen einer Lappalie bitter büßen mußte, worauf Bellman in der Vorbemerkung
zu Epistel 31 hinweist mit den Worten Ob solum Punktum caruit Robertus asello.
23.1.2005 , Günther Weisensee, Karlstein bei Bad Reichenhall
In Ernst Brunners Roman, auf Seite 323, wird Johan Henrik Kellgren (1751-1795) als Finne
bezeichet. Kellgren war aber Pfarrerssohn aus Floby in Västergötland. Joh. H.
Kellgren ist geboren und aufgewachsen in Floby in Västergötland als Sohn des Pfarrers
Jonas Kjellgren, der nach seinem Studium an der Universität Åbo (Turku) eine Zeitlang
Seelsorger in Finnland gewesen war. Auch Johan Henrik ging 1768 an die Universität Åbo,
um dort zu studieren. Er promovierte 1772 zum Magister der Philosophie und wurde 1774 an
derselben Universität zum Dozent für schöngeistige Literatur berufen. Er blieb aber nur
3 Jahre und ließ sich dann in Stockholm nieder. Kaum angekommen attackierte er u.a.
Bellman in seinem satirischen Poem Mina Löjen. Bellman war zutiefst gekränkt. Verbittert
schrieb er an eine Bekannte: Ein Kellgren schärft die Feder gegen mich in Stadt und
Hof. In Brunners Roman erblickt Bellman bei einem seiner Bühnenauftritte Kellgren
unter den Zuschauern und baut ihn flugs in eine Deklamation ein, während ihn der Gedanke
peinigt, daß der Finne Kellgren ihm seinen Platz bei Hofe streitig machen
könnte. Bellman war 1774 nach der ihm zugefügten Kränkung vermutlich geneigt, in seinem
Widersacher bis auf weiteres einen gewissen Kellgren zu sehen, von dem man
lediglich wisse, daß er aus Finnland gekommen war: ein Finne namens Kellgren.
Anmerkung: Finnland war seit fünf Jahrhunderten schwedische Provinz gewesen und
blieb es bis 1809; und die Bevölkerung in den an der Ostsee belegenen Landesteilen war
überwiegend schwedisch-stämmig und schwedisch-sprachig.
3.1.2005, Klaus-Rüdiger
In Ernst Brunners Roman, auf Seite 323, wird Johan Henrik Kellgren (1751-1795) als Finne
bezeichet. Kellgren war aber Pfarrerssohn aus Floby in Västergötland. 30.12.2004
Hat Bellman neben seiner Lyrik eigentlich auch Prosa verfaßt? Bellman hat wenig
Prosa hinterlassen: 1. Die Komödie MANTALSKRIVNINGEN, zu deutsch etwa
Die Steuereinschreibung, eine Art Posse mit Gesang; (die anderen Komödien
sind alle in Reimform, fast durchweg in Alexandrinern); 2. seine aus 2 Teilen bestehende
LEFVERNEBESKRIFNING; 3. das VORWORT zu den ersten 25 Episteln (StU 17, 34); 4.
in der gemeinsam mit Olof Kexel herausgegebenen Zeitschrift HWAD BEHAGAS (StU
18) sind einige wenige Prosatexte enthalten; (dagegen handelt es sich bei den Beiträgen
für Stockholmsposten oder andere Zeitungen hauptsächlich um Gedichte); 6. neben den
vielen Briefen in Gedichtform haben wir nur wenige Briefe in Prosa, darunter ein
köstlicher SCHERZBRIEF an den Leutnant Hummerhielm (StU 8, 128); 7. einige ÜBERSETZUNGEN
(der größere Teil sind Gedichtübersetzungen; vor allem Gellerts Fabeln); 8.
schließlich EINGESTREUTE PROSA in Gedichten oder Liedern (z.B. StU 9, Nr. 78; Epistel 22;
33).
15.10.2004, Klaus-Rüdiger
Hat Bellman neben seiner Lyrik eigentlich auch Prosa verfasst? 7.10.2004,
Hans-Peter Riermeier, München
Aus Schweden (!) erreichte mich eine Anfrage, ob vielleicht jemand in Deutschland ein
Video (o.ä.) von Fred Åkerström hat. (Eine Anfrage beim Schwedischen Fernsehen hat ihn
nicht weitergebracht.) Gibt es solche Aufnahmen überhaupt?
28.8.2004, Uta Helmbold-Rollik, Kaarst
Was heißt StU? StU ist die Abkürzung von Carl Michael Bellman
Standardupplaga utgiven av Bellmanssällskapet; es ist die Standardausgabe von
Bellmans Werken, herausgegeben von der schwedischen Bellmangesellschaft. Band 1 von
Standardupplagan, Fredmans Epistlar, kam 1927 heraus. Er enthielt Text und Musik sowie
einen 278 Seiten umfassenden Kommentarteil. Im Laufe der Zeit kamen 20 Bände hinzu, von
denen der letzte Anfang dieses Jahres erschienen ist. Nach Band 12, der noch von Olof
Byström redigiert wurde, war Gunnar Hillbom der leitende Textredakteur. Sein erster Band,
StU 13, kam 1980 heraus. Im Kommentarteil sämtlicher Bände sind u.a. Entstehung, die
verschiedenen Varianten (z.B. Bellmans eigenhändige Manuskripte, autorisierte Ausgaben,
Abschriften usw.), zeitgeschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge ausführlich
dargestellt: Die Bände enthalten zahlreiche Abbildungen des Quellenmaterials und
Erläuterungen schwieriger Textstellen. Bellmans Werke werden oft in der Art StU 15,
104 (Band 15, Seite 104) oder StU 15, Nr. 37 zitiert.
2.7.2004, Klaus-Rüdiger Utschick, München
Was heißt StU? 30.6.2004, Günther Weisensee,
Bad Reichenhall