Nr.  57

BACCHI GEBET- UND SENTENZENBUCH,

Der glotzenden Gemeinde zu Trost und Stärkung.

Nimm das Buch, sing Bacchi Töne,
lies von seinem feuchten Blatt,
welches tröstet seine Söhne
und die Hungernden macht satt.
Lies nun, mein Nachbar, bei Glockengeläut,
mit seiner Botschaft uns Bacchus erfreut.
Chor.Zum Wohl! Zum Wohl!

Bacchus, labe meinen Magen,
lasse meinem Hirn sein Spiel,
laß mir deinen Trunk behagen!
Trunk, das ist mein Weg und Ziel,
Trunk meine Reise zu Wasser und Land.
Nimm, lieber Nachbar, dein Buch in die Hand!
Chor.Zum Wohl! Zum Wohl!

Vor dem Durstgen mich behüte,
der da liest in meinem Buch,
lehre mich in deiner Güte,
daß ich singe und nicht fluch,
laß mich vergessen der Sorge und Qual,
Bacchus, mein’ feste Burg und mein Wall.
Chor.Zum Wohl! Zum Wohl!

Vater Bacchus, wenn es geschähe,
daß ich einst nichts mehr vermag,
daß ich wie ein Schatten gehe
auf der Gasse Nacht und Tag,
dann führe huldreich nach Hause dein Kind,
dorten die Quellen am frischesten sind.
Chor.Zum Wohl! Zum Wohl!

Gib, daß ich in meinem Wandel
hab genügend Bargeld noch,
nicht verlier in meinem Handel,
wenn ich sauf auch wie ein Loch,
nicht werde ärgerlich, mürrisch, gedrückt
oder, mein Bacchus, verliebt und verrückt.
Chor.Zum Wohl! Zum Wohl!

Mach, daß ich, wenn Wein mir fehle,
doch nicht werde grob und arg,
nicht dem Wirt geh an die Kehle,
wildbegierig bis ins Mark,
lehre mich ehren die Wirtsmutter auch,
bliebe auch hungrig und nüchtern mein Bauch!
Chor.Zum Wohl! Zum Wohl!

Gib mir Demut, mich zu neigen,
eh man mir den Humpen beut,
lasse meine Augen zeigen
meines Rausches Seelenfreud!
Nachbar, sei lustig, sei munter und quick,
laß uns vergessen das launische Glück!
Chor.Zum Wohl! Zum Wohl!

Wenn ich zur Vollendung komme,
wie das Blatt vom Tau beglückt,
mach, daß ich entschlafe fromme,
ohne Durst und stillvergnügt!
Lasset uns beten, wie Bacchus uns lehrt,
lasset uns tun, was die Seele begehrt!
Chor.Zum Wohl! Zum Wohl!