FREDMANS EPISTEL  Nr.  54

Am Grabe von Korporal Boman

Nie eine Iris auf diesem fahlen Feld
jemals Blumen pflückte
zum Wohlduft für des Schäfers Zelt,
und nie ein Vogel am lichten Tagesrand
Baum und Strauch beglückte,
hierher gelockt vom Mälarstrand.
Niemals hörte man die Lerche singen
und der Turteltaube Qual bezwingen,
die so traut :||:
zwischen Todes Pfeil’n ihr Nest gebaut.

Diese Gefilde sind traurig anzusehn;
schwarze Kreuze, Gräber
verdunkeln Tempels Himmelshöhn.
Hier auf der Planke, dort auf dem Marmorstein
Schwerter, Bretzel, Räder
ziern unsrer Väter teur’ Gebein.
Sieh die schüttren Bäume sich beeilen,
gelbe Blätter ringsum zu verteilen.
Jedes Blatt :||:
schirmt und schützt der Toten Ruhestatt.

Auf sandger Heide der alte Tempel ruht.
Hinter goldnem Gitter
vornehme Schatten wohnen gut.
Herzen erschauern und zittern und sind bang:
Jofur schickt Gewitter
und krachend lähmt den Glockenklang.
Wo Zyklopen kochten Schwefelsuppe,
stürzte dieses Tempels goldne Kuppe:
Neue Pracht :||:
ihn der Morgenröte würdig macht.

Schließ deine Augen und halte dein Gebet!
Dort bei Bomans Kiste
ein Klageweib mit Humpen steht.
Die mit dem Milchfaß hier schluchzet bitterlich
und untröstlich triste
in Tränenfluten badet sich,
ist die Witwe von dem tapfren Streiter,
und die anderen, gekarrt von weit her,
wie man sieht, :||:
Hökerinnen sind, aus Nord und Süd.

Kommt, laßt uns singen nun unsren Trauerpsalm!
Vater Mowitz, komme!
Zerstreue Herzens Angst und Qualn!
Zupfe die Harfe für Mutter Boman nun,
die ihr Aug wischt fromme
und klopft den Staub von ihren Schuhn.
Stich die Flasche auf, sie einzuladen:
Prost, Madame, ergebenst, halt zu Gnaden!
Wein hierher! :||:
Ach, mein Boman, ich seh dich nie mehr.

Dank dir, mein Boman, für jeden Lebenstag:
für Liebkosung, zarte,
und auch für jeden Fluch und Schlag!
Na, aus dem Hute mach ich ’nen Sonnenhut,
Mantel von der Garde
macht als Mantille sich noch gut.
Mutter Boman, höre auf zu klagen!
Mowitz soll die Harfe lieblich schlagen.
Fort all Qual! :||:
Auf der Bettbank wähl ein’ neu’n Korpral!