Fredmans Episteln Nr. 48

Fredmans Epistel 48

Sieh, die Sonne glimmt und gleißt,
blank der Wasserspiegel.
Wind kommt auf und zerrt und reißt
am erschlafften Segel.
Wimpel streckt sich und sich dreht.
Olle auf dem Heuboot steht.
Kerstin zur Kajüte geht,
schließet Schloß und Riegel.

Knaster knistert, Pfeife brennt.
Olle so geschäftig
Ruder dreht und Kutter wend’t,
kratzt am Ohr sich heftig,
unter Augenbrauen scharf
einen Blick zum Himmel warf.
Olles Herzblatt Kerstin darf
Segel führen kräftig.

Segel flattern, Brise trägt,
Jerker nimmt die Leier;
Leier brummt, und Woge schlägt
mit Gewalt und Feuer.
Kutter knarrt und ächzend geht,
Wimpel hoch am Maste weht.
Glock schlägt vier und Gockel kräht.
Hör den heisren Schreier!

Mowitz, in die Lure stoß
Schiffersleuten allen!
Olle he, was kost’t der Ochs?
Na, was könnt ihr zahlen?
Sag uns, von woher seid ihr?
Just von Lovö kommen wir
mit Gemüse, Sellerie,
Milch und Äpfeln, prallen.

Sieh, ’ne Jolle segelt stramm,
Marjo hält das Ruder
und mit Reisig, Milch und Lamm
lenkt zum Zoll ihr Fuder,
singt ein Liedchen vor sich hin,
schneuzt sich, seufzt mit bangem Sinn,
Kirschenkiepe auf den Knien
und ’ne Bütte Butter.

Ulla Winblad, sing und lach,
lös dein Haar behende.
Gähne nicht, sei quick und wach,
Nadeln nimm und Bänder.
Leg den Mantel um geschwind.
Niest du? Prosit, liebes Kind.
Dort, wo Zaun und Pfähle sind,
siehst du Hessings Strände.

Fröhlich grient dein Bräutigam,
Ulla, lieb und teuer,
heut noch Maid und nicht Madame,
lösch bei mir dein Feuer!
Wir hab’n alle gleichen Rang.
Lustig! Hör Posaunenklang!
Prosit! Dann ein Leben lang
halte ihm die Treue!

Kuh im Schilf den Leib sich spült
samt Geschirr und Schellen.
Brauner Ochs im See aufwühlt
himmelblaue Wellen.
Wiese leuchtet bunt und gleißt.
Fohlen tummelt wild und dreist.
Kalb tanzt munter. Wildschwein feist
geht im Korn, dem hellen.

Schütze birgt sich hinterm Baum
unter Efeuranke.
Morgenlicht am Himmelssaum.
Vogelsang, Gezanke.
Hinter einem dickem Stamm
lugt hervor die Büchse stramm,
und den Schütz wärmt, fromm wie ’s Lamm,
Hund mit seiner Flanke.

Morgentrunk nun, Mowitz, kost’!
Wellen wogend wallen.
Ekensberg dort. Mowitz, prost!
Hör Gelächter schallen!
Der setzt seinen Fuß voran,
Kugel poltert auf der Bahn.
Hör die Kegel fallen dann
und in Bergen hallen.

In der Laube vor dem Krug
hört man Burschen lachen.
Trumpf! Dort gibt es Bier genug
für den Durst im Rachen.
Der da mit gestrecktem Bein
schlummert zwischen Blumen ein,
ruht sein Haupt auf Gras und Stein
zwischen Schlaf und Wachen.

Sieh zur Klippe! Sieh am Strand
den Chinesen malen,
formen aus ’ner Handvoll Sand
schönste Blumenschalen.
In den Lehm sich brennen ein
des Apelles* Malerei’n:
Sieh, mein schönes Bäselein,
wie die Schalen prahlen.

Sieh Marieberg, wo gleich
blau die Bucht sich weitet:
ein Gebäude gelb und bleich,
drohend ausgebreitet.
Fenster glitzern. Gleich dabei
sieh Salpetersiederei!
Dorthin, Ulla, Schweinerei,
wirst du einst geleitet.

Fällen wir das Lot zum Grund!
In den Schlaf nicht sinket,
öffnet Flaschen, Spund und Schlund,
mit Mamsellen trinket!
Siehe, Mowitz, – aufgewacht! –
Lazari Palastes Pracht!
Gib auf deine Nase acht,
wenn ’ne Maid dir winket!

Sieh, die Türme blinken schon,
Wetterhähne schimmern,
Morgenrot und Sonne loh’n
und im Wasser flimmern.
Fröhlich spielt das Kind am Strand,
sammelt Steine in dem Sand,
wirft sie hin mit kecker Hand,
wo die Gänse schwimmen.

Lös die Taue, Segel fäll!
Skinnarvik soeben
sieht man dorten mit Kastell,
Klippen, Hütten, Gräben.
Unter Dächern, schwarz vom Rauch,
Hammerschlag, Blasbalg-Gefauch,
Roß erbebt bei Glut und Schmauch,
hebt den Huf ergeben.

Mit dem Waschholz an dem Strand
wäscht die Magd mit Fleiße,
knotet fest ihr Schürzenband,
Brust entblößt, die weiße.
Barfuß steht sie auf dem Steg,
zählt bedacht der Glocke Schläg,
kratzt ihr Bein so matt und träg,
feucht und naß vom Schweiße.

Eigner Herd ist Goldes wert,
jedem frei vergonnen!
Wasserkutscher mit dem Pferd,
leere deine Tonnen!
Tonne glänzt, und Rad sich dreht,
Zapfen spritzt, und Rappe geht.
Von der Pracht, die vor uns steht,
sing, wer ’s kann, mit Wonnen!

Jeppe tutet, Trommel dröhnt.
Andachtsglocke klinget.
Schwarz der Schornsteinfeger lehnt
am Kamin und singet.
Bäcker Brot im Korbe bringt.
Schmied schon seinen Hammer schwingt.
Grenadier schon keuchend springt,
Sold und Ehr erringet.

Auf! den Schritt zur Hütte lenkt!
Fort mit Netz und Schwimmer!
In Posaunen stoßt und denkt
an dies Treffen immer!
Lebt wohl, Jörgen, Truls und Hans!
Lebt wohl, Mädchen, Spiel und Tanz!
Ulla kriegt den Myrtenkranz
hier in Neptuns Zimmer.

Norström legt Perücke ab
von dem Schädel, kahlen.
Meine Ulla, bleich wie ’s Grab,
läßt ihr Röcklein fallen,
steigt gespreizt in Bett und Daun,
nach ihr Mowitz mit Posaun.
Rück mal, Norström! Deine Frau
doch gehört uns allen.

Übersetzung: Klaus-Rüdiger Utschick